Von Joachim Springer

Drei Tage und drei Nächte fuhren W. Graf Einsiedel und Jürgen v. Goerne 3008 Kilometer abwechselnd einen Volkswagen von Stockholm nach Monte Carlo. Das Wetter hat dabei die diesjährige XX. Rallye Monte Carlo zur bisher schwersten seit 1911 gemacht. Doch die beiden hatten Glück. Sie kamen heil ans Ziel.

Die Idee zur Teilnahme hatten sie im November 1949, und schon im Januar 1950 hatten sie immerhin die Ein- und Ausreisegenehmigungen für sieben Länder in der Tasche. Dazwischen lagen 62 Tage Aufregung, technische Vorbereitungen, Kalkulationen. Die Industrie war zurückhaltend mit Unterstützung.

Am 20. Januar rollte der rotbraune Volkswagen erst einmal die 2000 Kilometer nach Stockholm. Damit begann bereits ein Kampf gegen die Tücke des Papiers. Das Exitpermit für Dänemark war zugleich mit der Einreise ungültig geworden. Lebhafter Telegrammwechsel mit dem Automobilklub in Kopenhagen. Schließlich kam unsere Mannschaft zwei Stunden zu spät zum Start. Als letzte. So fing’s an.

Gleich am Stadtrand. Nebel und Eis. 70-Stundenkilometer müssen durchgehalten werden, damit es nicht gleich auf der ersten Etappe Strafpunkte gibt. Also „aufgedreht“ und überholt, wen es zu überholen gibt! Beim sechsten Wagen kommt der VW ins Schleudern, dreht sich und rauscht in eine Schneewehe. Irgendwo kracht’s. Ein Kilometerstein hat das Batteriegehäuse zerschlagen, ein Säurebächlein ergießt sich in den Wagen. Aber es geht weiter, und die Kontrolle in Junex wird rechtzeitig erreicht. Daß in Schweden „links“ gefahren wird, ist etwas ungewohnt – das werden auch die morgendlichen Radfahrer den beiden angemerkt haben. In Helsingborg bleibt trotzdem Zeit genug, die Morgentoilette nachzuholen. Auf der Fähre werden die Paß- und Carnetformalitäten erledigt; friedlich stehen jetzt auch die Wagen der in Oslo gestarteten Holländer, Dänen und Franzosen an Deck. Dänemarks Polizei hatte Zettel verteilt mit dem Hinweis auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer je Stunde. Sie hat aber wohl ein Auge zugedrückt, denn Kopenhagen war schnell erreicht. Dort war an eine Rast nicht zu denken. Eine Taxe mußten die beiden zu Hilfe nehmen: Jagd nach dem Exitpermit. Der Hohe Kommissar griff ein, damit sie nach Deutschland weiter durften. Mit 82 Kilometer je Stunde wurde die verlorene Zeit dann auf den guten Straßen wettgemacht. In Korsoer war ein Sonderfährbot zur Stelle. Die deutsche Grenze winkte und mit ihr unter sternenklarem Himmel ein paar ADAC-Klubkameraden und der hilfsbereite Shell-Dienst.

Richtung Hamburg. Zwei Stunden „vor Sollzeit“ rollt der VW durch die Hansestadt. Der Wagen wird in gewissenhafter Eile vom Hamburger VW-Dienst durchgesehen, die Fahrer trinken heißen Kaffee. Hamburgs Polizei hat sichtlich Freude an ihrer Aufgabe. Im Renntempo sozusagen lotst sie die Teilnehmer der Monte-Carlo-Fahrt an die Bremer Autobahn.

Lange, lange Fahrt. Alte 350 Kilometer wechseln die beiden Fahrer den Platz am Lenkrad, der kleine Heckmotor brummt pausenlos. Die Strecke zur holländischen Grenze ist durch hell erleuchtete Tankstellen markiert – trotz später Frostnachtstunde. Und in Amsterdam spendiert der holländische Automobilklub Harn and Eggs, freundliche Automobilisten bieten Motorenöl und heiße Duschen.