Ich weiß wohl, daß ich keine dramatische Natur bin“, sagt Ernst Penzoldt selbst und nimmt den Haupteinwand gegen seine Zauberkomödie „Der gläserne Storch“ vorweg. Tieck und Brentano und der Büchner von „Leonce und Lena“ waren auch keine Erzdramatiker; dennoch gehören ihre phantastischen Spiele als Arabesken zum Bilde des europäischen Theaters. Penzoldts Keckheit ist nicht mehr ganz so unbefangen und shakespearetrunken wie die der Romantiker. Sie hat etwas Strindbergsche Lauge in sich aufgenommen und läuft mit ihren satirischen Vorbehalten gegen die Zulänglichkeit des Menschen mitunter in Türen, dieschon längere Zeit offenstehen. Freundlich hingegen ist die Voraussetzung des Stückes: daß ein Homunculus als engelhaft reines Wesen sich unter den Menschen nicht zurechtfinden kann, weil ihn ihre Skurrilitäten befremden. Der synthetische Mensch entsetzt sich über die Künstlichkeit des natürlichen Menschen – das ergibt ein Kreuz und Quer von Motiven, in dem Penzoldt den Faden nicht fest in der Hand behalten kann. Weil der Homunculus unverwundbar ist, kann er auch nicht lieben – ein schönes Aperçu, das aber auch verläuft; denn als die Prinzessin ihn endlich durch einen Kuß von der seligen Schmerzlichkeit des Liebens überzeugt hat, läßt Penzoldt ihn dennoch kugelfest bleiben, um sich die Komödienlaune nicht zu verderben. Das geht ein bißchen zu weit an den Rand des Theaters, über die Rampe hinaus in Richtung auf die Wünsche eines Publikums, das sich lieber fächeln läßt als Gleichnisse zu durchdenken. Ein solches Publikum feierte Autor und Werkchen herzlich nach der Uraufführung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Diese, von Heinz Gerhard Zircher gebührend arabesk ausgestattet, verlief unter der Leitung von Wolfgang von Stas nach dem starren Schema des Typentheaters mit eingesprengten Herztönen. Cel.