Die Entwicklung der Dampfkraftwerke iti den letzten 50 Jahren ist gekennzeichnet durch ein ständiges Höhergehen im Dampfdruck und in der Dampftemperatur, Damit erreicht man beim Umwandlungsprozeß der Kohle in elektrischen Strom optimale Wirkungsgrade. Wenn man von der für das Jahr 1950 zu" erwartenden Jahreserzeugung von rund 25 Mrd kWi im Bundesgebiet ausgeht, hätte an nach dem Stand der Kraftwerkstechnik um 1900 rund 60 Mill t Steinkohle im Jahr verfeuern müssen. Dieser Kohlenbedarf schrumpfte aber nach dem Stand der Technik während des ersten Weltkriege; bereits auf rund 33 Mill t und nach dem heutigen Stand der Kraftwerkstechnik sogar auf "Werte unter 12 Mill t zusammen.

Wir stehen augenblicklich am Ende einei Periode, die die Ausschöpfung der Möglichkeiten des traditionellen Dampfprozesses bedeutet. Mit der Verwendung höchster Drücke und Temperaturen sowie bester Wärmeökonomie lassen sich in Neuanlagen Grenzwerte von 2350 kcalsWh erreichen. Dies bedeutet, daß man aus l kg lochsvertiger Kohle mit 7200 kcalkg 3 kWh erzeugen kann. Die Steigerung der Frisehdampftemperaturen über 525 °C hinaus auf 560 und 600°C bringt manches neue Problem. Für Neuankgen sind jedoch bereits Turbinen für dieses Teaiperaturgebiet auch in Deutschland im Bau. Die Frischdampfdrücke liegen heute bei einem Betrieb ohne Zwischenüberhitzung bei Werte bis HO atü, bei Anwendung der Zwischenüberhitzung dagegen bei Werten bis 160 atü. Die Zwischenüberhitzungstemperatur, die früher bei 425°C lag, wird heute bis auf 500°C hochgesetzt. Auch die Vorwärmung des Speisewtssers wird zum Teil bis auf 200°C in mehreren Stufen vorgetrieben.

Auf dem Gebiet der Dampferzeuger liegt der Trommelkessel mit dem reinen Röhrenbessel noch im Wettbewerb. Trotzdem scheint bei Neuanlagen, besonders wenn kurze Anfahrzeiten vorgeschrieben sind und Lastschwankungen elastisch abgefangen werden sollen, der Zwangdurchlaufkessel mehr und mehr Freunde zu gewinnen, Während in bestehenden Anlagen mit maximalen Kesselleistungen von 160 th gearbeitet wird, will man bei Neuanlagen auf Kesselgrößen bis 400 th übergehen. Bei der brennstoff- und feuerungstechnischen Seite des Kraftwerkes kann noch mit einer weitergehenden Entwicklung gerechnet werden, z. B bei der Verbrennung ballastreicher Brennstoffe, und bei der Gewinnung und Verwertung der Flugasche.

Bei den Dampfturbinen stehen sich für Temperaturen über 500 °C die Radial- und die Achsialbauart gegenüber. Für das Höchsttemperaturgebiet scheint sich die Radialbauweise wegen ihrer hohen Wärmeelastizität besonders gut einzuführen. Die Einheitsleistungen der Ttrbogruppen wurden im Laufe der Zeit ständig höher gesetzt. Man rechnet heute bereits mit Einwellensätzen von 100 MW, während neuzeitliche Kraftwerke der letzten Jahre noch mit Zweiwellensätzen von 75 MW ausgerüstet wurden, Bei größeren Turbogeneratoren wird man auch. auf WasserstofTkühiung übergehen.

Während man früher fast stets Dampfsarfiöielschienen angewendet hat, um beim Einsatz der Kessel und Turbogruppen über eine gewisse Beweglichkeit zu verfügen, neigt man heute zur Blockschaltung, also zur festen Anordnung von Kessel und Turbine. Die Blockschaltung vereinKraftwerksstützpunkten vertreten werden. Das Bestreben, auch den baulichen Teil der Kraftwerke zu verbilligen, führt zu Freiluftkesseln bzw. Freiluftkraftwerken, von denen bisher schon eine beschränkte Anzahl in den USA ausgeführt wnrde. In Deutschland hat man bisher freistehende Kessel lediglich in Einzelfällen angewendet; es ist aber anzunehmen, daß sich die Freiluftbauweise auch in Deutschland durchsetzt. Die vielerlei Bestrebungen zur Verbesserung und Verbilligung der Kraftwerkselemente kommen erst zur rechten Auswirkung durch eine im Kraftwerk, das betrieblich, wirtschaftlich uad architektonisch ein harmonisches in sich geschlossenes Ganzes darstellen soll. Die Ansichten über die zweckmäßigsten und schönsten Kraftwerksbauformen sind noch geteilt. Dem ausgesprochenen Flachbau steht die kompromißlose Hochbauweise gegenüber. Dazwischen liegen viele- andere Aufbaumöglichkeiten. Der Einfluß der verschiedenen Bauformen auf die Herstellungskosten ist im allgemeinen nicht so groß "wie man vielleicht erwarten könnte Unverkennbar sind die Bestrebungen, alle Vorgänge im Kraftwerk in einer zentralen Stelle zu erfassen und von hier aus den Betrieb und die Lastabgabe zu steuern. Man versucht deshalb, im Schwerpunkt des Kraftwerkblockes geschlossene Elektro Wärmewarten einzubauen, die dann gewissermaßen das Gehirn Als In der Nachkriegszeit die ersten Nachrichten über den amerikanischen Kraftwerksbau 215 suns kamen, konnten unsere Ingenieure mit Befriedigung feststellen, daß die- Entwicklungstendenzen in den USA genau die gleichen gewesen sind wie bei uns. Die während des Krieges in Deutschland gebauten Kraftwerke decken sich in allen v esendichen Einzelheiten mit denen zur gleichen Zeit in den USA entstandenen Anlagen Das kn Bundesgebiet in Planung und Ausführung begriffene Kraftwerksprogramm umfaßt eine Reihe größerer und mittlerer Kondensationsund Vorschaltanlagen, ferner Industrie- und Heizkraftwerke. Erfreulicherweise kann man feststellen daß die deutsche Maschinen- und Elektroindustrie den damit verbundenen Aufgaben sowohl in bezug auf die Qualität und den Sicherheitsgrad wie auch auf den Umfang des Programms voll gewachsen ist.