Kein Zweifel: Es weht ein steifer Wind vom Petersberg. Und er rührt nicht allein von antiquierten Strömungen in der französischen Besatzungspolitik her, nicht nur von Versuchen des britischen Elements der Hohen Kommission, das Seine zum englischen Wahlkampf beizutragen, oder von dem Einfluß einiger subalternen amerikanischer Beamten aus der New-Deal-Ära. Es ist ein offizieller Wind aus USA, London und Paris.

Noch im Januar versuchte der „primus inter pares“ vom Petersberg, der amerikanische Hohe Kommisar John J. McCloy, bei seinem Besuch in Washington eine Nicht-Interventions-Politik zu vertreten. Doch der drang nicht durch. Vieles von dem, was er als Antwort zu hören bekam, hat er in Stuttgart wiedererzählt. Das war der Auftakt einer alliierten Einmischungspolitik. Mittlerweile ist sie in Fluß gekommen: In dem jetzt der Bundesregierung überreichten Aide Memoire drückt die Hohe Kommission sehr konkret ihre Beunruhigung über die deutsche Wirtschaftspolitik aus; in mehreren anderen Fällen wurde kaum mißverständlich angedeutet, daß die Arbeitsweise und Personalpolitik der Regierung in Bonn vom demokratischen Gesichtspunkt aus zu wünschen übrigließe. Kurz, die Hohe Kommission ist offenbar nicht mehr gewillt, sich auf die Prüfung einzelner Maßnahmen zu beschränken. Sie kritisiert den Gesamtkurs. Das Kabinett Adenauer wird fortan seine Politik an zwei Fronten zu verteidigen haben; im Bundestag und auf dem Petersberg.

Dieses alliierte Eingreifen entspricht offenbar – neben dem Bemühen, eine Generallinie der westlichen Besatzungspolitik wiederherzustellen – vor allem der Furcht, die deutsche Wirtschaftspolitik könne allmählich zu einer östlichen Orientierung führen. So unrichtig diese These ist, so gefährlich kann sie werden; wer von einer falschen Position ausgeht, erreicht nur selten das rechte Ziel. Läuft die neue Politik der Westmächte tatsächlich auf eine Beschränkung des deutschen Souveränitätsgrades hinaus, dann spielt sie damit nur das Spiel des Kreml. Darauf sollte man in Bonn hinweisen, statt gekränkt die sachliche und juristische Berechtigung des alliierten Eingreifens anzuzweifeln. Die Freiheit, nicht der wirtschaftliche Wohlstand ist der Trumpf des Westens. C. J.