In der vorletzten Ausgabe der „Zeit“ wurde im Leitartikel auf die Möglichkeiten hingewiesen, die in der steuerlichen Sonderbehandlung zusätzliches Personal einstellender Unternehmen liegen. Dr. Pentzlin substanzierte diesen Gedanken in der gleichen Nummer (Nr. 6 vom 9. Februar) unter der Überschrift „Höhere Löhne, größere Abschreibungen“. Im folgenden geben wir Dr. J. W. Stenz das Wort zu einem praktischen Vorschlag in dieser Richtung. Im „Steuerpraktiker“ Nr. 8, Höger-Verlag, Hamburg, wird dieser Vorschlag – ins einzelne gehend – wiederholt werden.

An dem drohenden Gespenst der Massenarbeitslosigkeit darf die Steuergesetzgebung nicht vorbeigehen. Wenn die bisherigen Maßnahmen das Problem nicht bannen und unsere Regierung in der Tarifgestaltung nicht frei ist, so gilt es Wege zu finden, die dazu beitragen können, eine weitere Schrumpfung der Kaufkraft zu vermeiden.

Abgesehen von den Ertragssteuern bedeuten Betriebseinschränkungen und Entlassungen auch Verlust von Lohnsteuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträgen und immer stärkere Belastung der öffentlichen Hand mit Arbeitslosen- und Fürsorgeunterstützungen. Sollte man da nicht Maßnahmen in Erwägung ziehen, die nicht nur der Arbeitsbeschaffung durch Förderung bestimmten Wirtschaftszweige dienen, sondern der Arbeitsbeschaffung im engeren Sinne durch steuerliche Begünstigung solcher Unternehmen, die über einen bestimmten Maßstab hinaus Arbeitnehmer einstellen?

Ein solcher Maßstab könnte beispielsweise sein: der Durchschnittsprozentsatz der Personalkosten im Verhältnis zum Umsatz von 1949. Würde der Betrag, um den die Personalkosten der folgenden Jahre über dem jeweiligen Prozentsatz der Personalkosten des Jahres 1949 bei Anwendung auf den Gesamtumsatz des betreffenden Jahres liegen, entweder voll oder auch nur zur Hälfte als Sonderausgabe zugelassen, so würde das jedem Unternehmer einen Anreiz bieten, neue Arbeitskräfte einzustellen. Die Berechnung wäre einfach. Die fiskalische Einbuße würde im Hinblick auf das sozialpolitische Ziel einer Verminderung der Arbeitslosigkeit und das wirtschaftspolitische Ziel der Förderung der Eigenkapitalbildung im Vergleich mit anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Steuerpolitik (§ 7 c, 7 a und § 10 (1) 2) nur gering sein. Der Minderung der Einkommensteuer beim Unternehmer stünden folgende Vorteile gegenüber: Erhöhung des Ertrages durch mutmaßlich erholten Umsatz infolge höherer Belegschaft; Ein-Schwankung unnötiger und betriebsfremder Ausgaben (nach dem Motto: „das bezahlt ja doch die Steuer!“) hinsichtlich der in diesem Vorschlag begünstigten Personalaufwendungen, zusätzliche Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge für die neu eingestellten Arbeitnehmer; möglicherweise erhöhte Umsatzsteuer, erhöhte Kaufkraft beim Unternehmer und bei den neuen Arbeitskräften, die sich in erhöhten Umsätzen der Arlagegüterindustrie, Verbrauchsgüterindustrie und des Einzelhandels niederschlagen würde, wodurch auch dort wieder erhöhte Steuereinnahmen zu erwarten wären. Außerdem würde die öffentliche Hand in beträchtlichem Umfange durch ein Abnehmen der Arbeitslosigkeit entlastet.

Das Ergebnis ist in jedem einzelnen Fall nach den Umständen, insbesondere der Marktentwicklung, verschieden. Der Vorschlag ist für die Unternehmen um so interessanter, je höher sie in der Steuerprogression liegen, und für die Finanzverwaltung, je besser die Angestellten bezahlt und je mehr Arbeitskräfte in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden oder bleiben, statt die öffentliche Hand zu belasten. Der Vorschlag geht vor einer steuerlichen Vergünstigung, für das Unternehmen aus, die durch Bindung an sozialpolitische Ziele vor allem der Arbeitnehmerschaft zugute kommt, aber gleichzeitig auch dem Unternehmen durch Leistungssteigerung und Eigenkapitalbildung, der Volkswirtschaft durch Erholung gesunder Kaufkraft und schließlich der Finanzwirtschaft durch Erschließung neuer Steuerquellen und Vermeidung steigender sozialer Lasten dient.