De älteste, größte und an führender Stelle stehende Fabrikationsstätte auf praktisch allen medizinischen Anwendungsgebieten der Elektrizität sind die Siemens-Reiniger-Werke, deren Stammfirmen die Herstellung von elektromedizinischen Geräten bereits im Jahn 1847 und die Fertigung von Röntgenerzengnissen im Jahre 1896, unmittelbar nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen, aufgenommen haben. Es ist deshalb ebenso notwendig wie zweckmäßig, bei einer Besprechung des neuzeitlichen Standes, der röntgen- und elektromedizinischen Technik auf die wichtigsten Erzeugnisse dieses Unternehmens einzugehet.

Neben den fahrbaren Röntgen-Kleinapparaten mit Universalstativ für Aufnahmen und Durchleuchtungen im Sprechzimmer, im Operationssaal und am Krankenbett stehen dem Röntgenologen heute Röntgendiagnostik-Hochleistungsapparate zur Verfügung. Diese ermöglichen bei Röhrenströmen bis zu 500 bzw. 1000 mA Kurzzeitaufnahmen bewegter Organe und Vorgänge bis herab zu Zweihundertstel Sekunden und Schweraufnahmen (Schwangerschafts-, Magen- und Darmaufnahmen). Als Hochleistungs-Röntgenröhre wurde für solche Aufnahmen eine neue mit einem Doppelbrennfleck ausgestattete und in eine kleine Ölhaube eingebaute Drehanodenröhre geschaffen. „Schnappschüsse“ bewegter Organe und Vorgänge erfordern außer dem Hochleistungsapparat und der Hochleistungsröhre auch ein Hochleistungs-Röntgenuntersuchungsgerät, das schnellsten Übergang von Durchleuchtung auf Aufnahme und von einer zur anderen Aufnahme gestattet. Es ermöglicht dank der vollautomatischen Einknopfbedienung und der druckluftgesteuerten Bewegung von Filmkassette und Feinrasterblende „Schnappschüsse“ bewegter Vorgänge einzeln und in rascher Folge, auch in Serie. So lassen sich z. B. verschiedene Phasen des Schluckaktes und der Peristaltik im Röntgenbild erfassen.

Dem Massengebrauch bei Röntgenuntersuchungen in der Tuberkulosebekämpfung dient die Schirmbildeinrichtung. Mit ihr können je Stunde mehrere Hundert Röntgenaufnahmen bewältigt werden, Das Leuchtschirmbild wird dabei, durch eine lichtstarke Spezialkamera auf Kinofilm aufgenommen. Von größter Bedeutung für Spezial-Röntgenuntersuchungen der Lunge und andere innerer Organe dürften die neuen Schichtaufnahmegeräte sein. Während bei der gewöhnlichen Röntgenaufnahme ein Schattenbild aller die Röntgenstrahlen absorbierenden Organe entsteht, wird bei diesen Geräten durch eine gegenläufige Bewegung von Röntgenröhre und Film bzw. durch eine gleichsinnige Rotation von Patient und Film bei feststehendem Röntgenstrahlenbündel die Abbildung von dünnen Körperschichten in wählbaren Körpertiefen erreicht. Es ist so – bildlich gesprochen – möglich den menschlichen Körper längs und quer zur Körperachse in dünne Scheiben zu zerschneiden. Die sichere Lagebestimmung von Krankheitsherden und Fremdkörpern ist heute somit kein technisches Problem mehr.

Bei der Bestrahlung in Körperhöhlen gelegener und auch oberflächlicher oder operativ freigelegter Tumoren ermöglichen die in eine leichte Ölhaube eingebauten Körperhöhlen-Röntgenröhren ausgezeichnete Erfolge. Diese Röhren sind so gebaut, daß die Anode – der Entstehungsort der Röntgenstrahlen – in Körperhöhlen eingeführt und unmittelbar an den Tumor herangebracht werden kann. Eine Durchstrahlung gesunden Gewebes wird dadurch vermieden und praktisch die gesamte Strahlendosis zur Vernichtung des Tumors ausgenutzt. Für die Röntgentherapie tiefliegender Krebse stehen dem Röntgentherapeuten im Röntgen-Konvergenzstrahler und Rotations-Bestrahlungsgerät zwei völlig neuartige Bestrahlungsgeräte zur Verfügung, die in idealer Weise die Grundvoraussetzung für jede erfolgreiche Röntgenbestrahlung zu erfüllen gestatten, nämlich die Schonung des gesunden Gewebes durch weitgehende Beschränkung der Strahlung auf den Krankheitsherd. Bei dem Röntgen-Konvergenzstrahler wird die Röntgenröhre auf der Fläche einer Kugelkalotte spiralförmig so bewegt, daß ein Kugelkalotte Röntgenstrahlenbündel zustande kommt. Im Konvergenzzentrum, d. h. im Tumor, ist die Strahlung zwei- bis dreimal so intensiv wie an der Körperoberfläche. Beim Rotations-Bestrahlungsgerät dreht sich der Patient um eine durch den Tumor gehende Achse, wobei das feststehende, horizontale Röntgenstrahlenbündel immer auf diesen gerichtet bleibt. Es wird somit eine hohe Strahlenkonzentration im Tumor bei praktisch kaum ins Gewicht fallender Hautbelastung erreicht. Gute Erfolge wurden mit dieser Methode bei den bisher schwer zu bekämpfenden Oesophagus- und Bronchialcarzinomen, ferner auch bei zentral gelegenen Hirntumoren, bei Rektumcarzinomen und gynäkologischen Tumoren erzielt.

Neue Perspektiven in der physikalischen Krebstherapie eröffnet die Anwendung schneller Elektronen. Die Werke haben hierfür eine im Vergleich zu den entsprechenden amerikanischen Anlagen besonders kompendiöse Elektronenschleuder für eine Energie von sechs Mill. Elektronenvolt gebaut. Der besondere Vorteil der Elektronenstrahlen besteht u. a. in dem günstigen Dosisverlauf nach der Tiefe und der genau dosierbaren Eindringtiefe.

Die Elektromedizin umfaßt alle unmittelbaren Anwendungen elektrischer Ströme für diagnostische und therapeutische Zwecke. Zur Behandlung und Feststellung von Erkrankungen der Nerven und Muskeln und für die Elektrogymnastik gelähmter und geschwächter Muskeln verwendet man heute Reizströme ganz bestimmter Kurvenformen. Eines der modernsten Reizstromgeräte arbeitet mit einem Röhrengenerator, dessen Stromformen den neuzeitlichen elektrophysiologischen Erkenntnissen entsprechen. Der Reizstrom besteht aus Rechteckimpulsen von genau einstellbarer Dauer und Höhe, mit denen bei minimaler sensibler Reizung eine maximale motorische Reizung erzielt wird.

Beim Operieren mit dem „elektrischen Messer“ werden Hochfrequenzströme zum Schneiden und Koagulieren angewandt. Die Elektrochirurgie gestattet ein weitgehend unblutiges Operieren. Die Gefahr einer Keimverschleppung wird dadurch bedeutend herabgesetzt. Das ist ein wesentlicher Vorteil bei der Behandlung infektiöser Prozesse. Ein universelles Elektrochirurgiegerät, das sich sowohl für die kleine als auch für die große Chirurgie eignet, ist, den neuzeitlichen Forderungen entsprechend, mit einem Röhrengenerator ausgestattet, der eine absolute Betriebskonstanz und beste Schneideeigenschaften des Hochfrequenzstroms gewährleistet. Die notwendigen Schneid- und Koagulationselektroden liegen für den Operateur immer griffbereit.