Die Glühlampe gehörte noch lange nach dem Kriege zu den Waren des täglichen Bedarfs, deren mangelnde Lieferbarkeit zu den unangenehmsten Engpässen zählte. Der Wiederaufbau der zerstörten Fabriken kam nur langsam vorwärts, und auch die Fabrikation als solche hatte größte Schwierigkeiten zu überwinden. Es gab keinen Wolframdraht. Auch Glaskolben und Sockel waren schwer zu beschaffen. Die erforderliche Energie reichte nicht aus, und der auf allen Gebieten zu beobachtende Arbeitermangel, im vorliegenden Falle verstärkt durch das Fehlen von Fachkräften, behinderte die Fertigung sehr.

Nach der Währungsreform nahm die Produktion schnell zu. Trotzdem glaubte man, für den Absatz noch für längere Zeit keine Sorgen haben zu müssen. Man rechnete mit einem sehr großen Nachholbedarf. Allgemein wurde die Deckung dieses Nachholbedarfs erst für 1950 erwartet. Dieser Zeitpunkt trat zur Überraschung der beteiligten Kreise jedoch bereits im Frühsommer 1949 ein. Der Durchschnittsbedarf an Glühlampen im Jahr wird in Deutschland mit 1,5 bis 1,8 Stück pro Kopf der Bevölkerung veranschlagt, so daß Westdeutschland nach dieser rohen Schätzung einen Jahresbedarf von etwa 80 Mill. Stück hat. Erst das Jahr 1950 aber kann in Lieferung und Fertigung als Normaljahr bezeichnet werden und eine reale Grundlage für die künftige Planung bringen.

Eine relativ große Zahl – etwa 20 Fabriken sehr unterschiedlicher Größe – beschäftigt sich in Westdeutschland mit der Herstellung von Glühlampen. Osram, Philips und Radium sind als die bedeutendsten zu bezeichnen. Philips produziert in der Aachener Fabrik, Radium in Wipperfürth und Osram hat in Westdeutschland Fertigungsstätten in Augsburg, Neheim und Herbrechtingen (wozu noch die Berliner Fabrik kommt). Der Preis der Glühlampen (Einheit 15 bzw. 25 Watt) belief sich 1936 auf 82 Rpf. und erreichte 1942 mit 65 Rpf. seinen niedrigsten Stand. Er ist heute bei 1,10 DM angelangt, und zwar nach der Ende Januar erfolgten Preissenkung, die durchschnittlich 10 v. H. betrug. Der gegenüber der Vorkriegszeit sich ergebende hohe Preis resultiert aus den erhöhten Kosten für Rohstoffe, Energie und den gestiegenen Löhnen. Die Preissenkung, die von den Herstellern auf Rationalisierung in den Fabriken zurückgeführt wird, gewinnt an Bedeutung, wenn man hört, daß die Zahl der Typen entsprechend dem Bedarf ständig gestiegen ist und sich heute – ungerechnet die Zahl der verschiedenen Spannungen – auf Hunderte beläuft. In der Zeit vor der Währungsreform hatte man sich auf eine kleinere Zahl der gängigsten Typen beschränkt. Die Qualität der Lampen ist wieder als friedensmäßig zu bezeichnen. Ende des Jahres 1949 war die Produktion schätzungsweise auf 7,5 Mill. Glühlampen monatlich angestiegen, so daß von einer gefährlichen Überproduktion, von der man gelegentlich hörte, nicht die Rede sein kann.

Eine interessante Ergänzung der Glühlampe stellt die moderne Leuchtstofflampe dar, deren Produktion sich in langsamer Steigerung befindet. Auf diesem Gebiet sind vornehmlich die Firmen Philips und Osram tätig. Man glaubt, daß die Leuchtstofflampe der Glühlampe keine Konkurrenz machen wird, sondern daß im Rahmen der Entwicklung „Mehr Licht“ der Leuchtstofflampe wegen ihrer lichttechnischen Vorzüge eher eine zusätzliche Aufgabe zufällt. Im Lichtverbrauch steht Deutschland überhaupt hinter anderen Ländern, in denen 3 bis 7 Lampen je Kopf der Bevölkerung jährlich verbraucht werden, weit zurück. Es ist zu hoffen, daß der wirtschaftliche Aufschwung auch auf diesem Gebiet eine Entwicklung nach oben mit sich bringen wird.

A. S.