Der folgende Aufsatz ergänzt die in der letzten Nummer der „Zeit“ enthaltenen Ausführungen von Dr. Frhr. v. Maltzan über den deutsch-französischen Handelsvertrag,

Während sich die bisherige Stellungnahme zum deutsch-französischen Handelsvertrag in der deutschen Öffentlichkeit auf eine sachliche Darstellung der erreichten Ergebnisse beschränkt, haben französische Zeitungen bereits recht negative Kommentare gebracht. Diese französische Kritik ist um so überraschender, als Deutschland in der Frage der Liberalisierung größere Zugeständnisse macht als sein französischer Partner. So liegt der Prozentsatz der von der Einfuhrkontingentierung befreiten Waren auf deutscher Seite über den 60 v. H., die von Frankreich freigegeben werden, – und auch die Kontingente sind – soweit sie aufrechterhalten bleiben – auf deutscher Seite wesentlich stärker erhöht worden, als auf französischer.

Die objektive Zeitung „Le Monde gibt zu, daß man deutscherseits sehr entgegenkommend gewesen sei, doch befürchtet das Pariser Blatt, daß von den deutschen Kontingenten oder Freilisten vielleicht nicht ausschöpfend Gebrauch gemacht werden könnte. Obst, Gemüse oder Käse zum Beispiel würden schon aus der Schweiz, Holland oder Dänemark auf den deutschen Markt gebracht und hätten dort zu Preisrückgängen bis zu 75 v. H. geführt. Alles käme darauf an, wie sich die französischen Produkte in freier Konkurrenz in Westdeutschland durchzusetzen vermöchten.

Der neue Vertrag ist als „teil-liberalisiertes“ Abkommen ein Typus eigener Art, bei dem ein echter Ausgleich zustande kam. Der Freihandel ist Grundsatz, die Kontingentierung Ausnahme, Die gefundene Synthese dürfte für den Augenblick das Höchstmaß der auf beiden Seiten erträglichen Konzessionen darstellen.

Deutscherseits ist die Einfuhr grundsätzlich liberalisiert und nur durch eine Kontingentsliste eingeschränkt, die u a. Gemüse, Wein, Käse, Autos, Autoreifen und Textilien umfaßt. Die französische Kontingentsliste enthält u. a. Bier, gevisse Chemikalien, Maschinen, Automobile und zahlreiche Metallerzeugnisse. Die Ausfuhr nach Frankreich erfolgt in Zukunft nach einer Dreiteilung:

1. Auf Grund der allgemeinen französischen Import-Freilisten vom 6. Oktober und 28. Dezember 1949 zusätzlich einer speziell gegenüber Westdeutschland gewährten Freiliste.

2. nach einer Kontingentsliste und