R., Leipzig, Mitte Februar

Leipzig und Messe sind Begriffe, die voneinandernicht zu trennen sind. Längst nehmen die Vorbereitungsarbeiten für die kommende Frühjahrsmesse, die vom 5. bis 12. März stattfindet, einen weiten Raum in dem Arbeitsplan der Stadt ein. Betrug für die letzte Frühjahrsmesse die zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche rund 102 000 Quadratmeter, so wird sie sich für die bevorstehende Messe auf 125 seit Quadratmeter belaufen. Infolge der erstmals seit Kriegsende vorgesehenen Kollektivausstellung der Sowjetunion, der Ausweitung der Messestände der volkseigenen Betriebe und des zu erwartenden Ausstellerzuwachses aus der Bundesrepublik braucht Leipzig für die kommende Frühjahrsmesse neuen Messeraum.

In der Innenstadt wird man ihn vor allem durch den Neubau befriedigen, dessen erster Bauabschnitt 1949 begonnen wurde. Dieses Projekt, dessen Gesamtdurchführung noch Jahre beanspruchen wird, sieht einen Block vor, der von der Petersstraße, der Grimmaischen Straße und dem Neumarkt begrenzt wird, den ehemaligen Hohmannshof mit dem erhalten gebliebenen Zeissighaus verbindet und auch die Mädler- sowie die Königshauspassage und den Zentralmessepalast mit einbezieht. Im ersten Bauabschnitt, der zur Frühjahrsmesse bereits durchgeführt sein wird, werden zunächst 3000 und zur Herbstmesse weitere 5000 Quadratmeter Standfläche von den insgesamt projektierten 10 000 Quadratmeter in sechs Obergeschossen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig entsteht eine neue Passagenladenstraße mit 1400 Quadratmeter Ladenfläche für den Einzelhandel.

Neben diesem „Messehof“, wie dieses Projekt offiziell heißt, bestehen für den Wiederaufbau des Messezentrums noch eine ganze Reihe weiterer Objekte, so für den Speckshof, das Hansahaus, den Handelshof, den Petershof, den Dresdner Hof, das Meßhaus Union, das Ringmeßhaus, das Grassi-Museum und die Bugramesse. Daneben ist der Bau des Leipziger Messeamtes vorgesehen, nachdem die ehrwürdige „Alte Waage“ durch Kriegseinwirkung vernichtet worden ist. Es wird die bisher getrennt untergebrachten Abteilungen des Messeamtes (wie Ausländertreffpunkt, Reisebüro, Pressedienst, Messe-AG. und Wirtschaftswerbung) aufnehmen.

Auf dem Messegelände wird die Halle 5 mit 1800 Quadratmeter die Kollektivausstellung der UdSSR zeigen. Außer Rohstoffen und Fertigwaren werden hier vor allem Produktionsmittel ausgestellt werden. Auch einen modernen Bohrturm für die Naphthaindustrie will man aufstellen. Auf der Freifläche werden landwirtschaftliche Maschinen sowjetischer Produktion zu sehen sein. Die übrigen Auslandsausstellungen werden in dem wiederaufgebauten Teil der Halle 10 mit 8000 Quadratmetern untergebracht werden. Die Halle 9 wird, um das Obergeschoß erweitert, Feinmechanik und Optik aufnehmen und ist durch einen Anbau um etwa 2000 Quadratmeter vergrößert worden. Ferner ist beabsichtigt, Halle 19, in der die Fahrzeugausstellung unterkommen soll, mit einem provisorischen Zeltdach zu überdecken. Im übrigen werden das Bauwesen in Halle 3, Holzbearbeitungsmaschinen in Halle 6, Elektrotechnik und Radio in Halle 7 und Werkzeug- sowie Textilmaschinen in Halle 8 kommen. Insgesamt werden die Mustermesse und die Technische Messe 39 Branchengruppen aufweisen. Sie verteilen sich auf das Freigelände, auf die zehn Hallen der Technischen Messe und auf die vierzehn Messehäuser der Innenstadt.

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Westdeutschlands Interesse an Leipzig ist unvermindert stark. Und man wird daher anläßlich der Frühjahrsmesse eine gute Kollektion des westdeutschen Warenangebots in Leipzig vorfinden. Besonders stark ist naturgemäß Hamburg interessiert; es versucht alles, um die einstigen Fäden zu seinem alten Hinterland erneut zu knüpfen. Man wird abwarten müssen, ob sich in diesem Jahre die Hoffnungen der westdeutschen Verkäufer und Käufer besser erfüllen.

Die Grundlage der Leipziger Messegeschäfte zwischen West- und Ostdeutschland bildet das „Frankfurter Abkommen“ vom 8. Oktober 1949. Es soll die Voraussetzungen zur Abwicklung der Verkäufe und Käufe über die bei der Bank Deutscher Länder und der Deutschen Notenbank eingerichteten Verrechnungskonten im Verhältnis von 1:1 schaffen. Westdeutsche Einkäufer werden in Leipzig von der „Treuhandstelle für Interzonenhandel“ bei ihren Verkaufs- und Einkaufsbemühungen unterstützt werden. Begrüßenswert sind zweifellos die ostzonalen Bemühungen um eine weitere Normalisierung der Verkehrsmöglichkeiten: 29 Sonderzüge werden die westdeutschen Aussteller und Einkäufer nach Leipzig bringen. Außerdem wird man aus der Bundesrepublik in diesem Jahre Leipzig erstmals wieder auf dem Luftwege erreichen können.