In Europa nähern wir uns langsam einer ausreichenden Kohlen Versorgung, der Menge, jedoch nicht den gefragten Sorten nach. Mehr noch, in verschiedenen Ländern, England an der Spitze, nimmt die Zahl der Bergleute rascher ab, als es für die glatte Versorgung der nächsten Jahre und für die geordnete Einschaltung von mehr Maschinen in Förderung und Sortierung gut ist. In den USA führt gerade die gegenteilige Situation – eine Überzahl von Bergleuten bei abnehmendem Kohlenbedarf – zu immer neuen Streiks, bei denen die Zechenbesitzer sich nicht auf langfristige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen festlegen wollen, solange sie die Absatz aussichten nicht klarer übersehen können.

Verschiedenes ist für das Verständnis der Kohlenstreikhintergründe von Bedeutung: Das Wichtigste ist die Entwicklung des Kohlenverbrauchs. Sie ist in den USA rückläufig, auch in Zeiten, in denen die Industrie neue Produktionsrekorde erreicht und damit neue Rekorde an Energieverbrauch aufstellt. Die Erklärung liegt in den konkurrierenden Energiequelle! von Wasserkraft, Öl und Naturgas.

Nur die amerikanische Stahlindustrie hat ihren Verbrauch an Kohle und Koks ziemlich stabil gehalten. Sämtliche anderen Gruppen dagegen zeigen deutlich fallende Verbrauchstendenz. Die Kohlenerzeugung von 435 Mill. t im letzten Jahre lag zwar noch um einiges über dem Durchschnitt der letzten zehn Vorkriegsjahre; sie bleibt jedoch erheblich hinter dem Höchststand der Nachkriegszeit mit 631 Mill. t für 1947 zurück.

Dieser nachlassende Bedarf an Kohle wird mit immer moderneren Mitteln gefördert, sodaß die Leistung je Schicht von 4.2 t im Jahre 1937 auf rund 6 t heute gestiegen ist. Es wäre nun nichts Ungewöhnliches in den USA, daß Bergarbeiter, die keine ausreichende Beschäftigung finden, in andere Wirtschaftszweige abwandern.

Hier aber beginnt John Lewis mitzuspielen. Er hat es schon vor dem Kriege verstanden, das Gewicht seiner Gewerkschaft zur Lohnaufbesserung ins Feld zu führen, bis die Konkurrenzfähigkeit der Kohle ernstlich erschüttert wurde. In den Nachkriegsjahren hat er einen „Versorgungsfonds“ zur Zahlung von Pensionen an alte Bergleute geschaffen, der aus einer Umlage auf die Kohlenförderung gespeist wurde.

Die Kohlenknappheit vom Februar hat Lewis durch Kurzarbeit in einer Drei-Tage-Woche in den voraufgegangenen Monaten künstlich geschaffen. Das hat ihm in den eigenen Reihen wegen Lohnausfalls eine wachsende Opposition eingetragen. Was er jedoch nicht erreichen konnte, ist eine Abwanderung von Bergleuten in andere Wirtschaftszweige. Die Aussicht auf Pensionen, die Hoffnung auf ständig steigende Löhne und der Rückhalt einer besonders starken Gewerkschaft lassen die 410 000 Bergleute im Steinkohlenbergbau – von denen 40 000 bereits einen neuen Kontrakt mit ihren Außenseiter-Zechenbesitzern abschließen konnten – und die 90 000 im Anthrazitbergbau fest auf den Zauberer Lewis vertrauen. Diesmal wird er vielleicht noch einige Konzessionen für seine Anhänger durchsetzen. Doch wird er den Kohlenverbrauch in den USA steigern und damit Arbeit für seine zu groß gebliebene Anhängerschar finden können? Edgar Gerwin