DIE ZEIT

Englands Unentschieden

Theoretisch gibt es drei Möglichkeiten – nachdem die Engländer mit ungewöhnlich ernsten Gesichtern und unerwartet zahlreich an die Wahlurne gegangen waren, ohne daß es zu einem wirklichen Entscheid kam: baldige Neuwahlen, eine große Koalition oder weiter Labour-Regierung, jedoch ohne Sozialismus.

Rote Gartenlaube

Daß die sogenannte nationalsozialistische Revolution in Wahrheit ein Aufstand der wildgewordenen Spießer war, das war von Anfang an nicht leicht zu verkennen.

Der steuerfreie Betrag

Mit der Beratung der kleinen Steuerreform, also der Neufassung des Einkommensteuergesetzes, ist der Bundestag wider Erwarten auch im Februar noch nicht zu Ende gekommen.

Krieg und Kriegsgeschrei

Es geht wieder eine Welle der Kriegsfurcht durch die Welt. Ursache ist die Besorgnis, es müßten sich zwangsläufig die Spannungen des Kalten Krieges in einem militärischen Zusammenstoß entladen.

Lagermenschen

Das Jahrhundert der Heimatlosen und Entwurzelten hat eine neue Kategorie von Verbrechern geschaffen: Menschen, die mit der Heimat, aus der sie zwangsweise verschleppt wurden, oder die sie aus Protest gegen Tyrannei und Unmenschlichkeit verließen, jede verbindliche Ordnung verloren haben.

SSA statt SS und SA

Ursprünglich sollte das soeben in der deutschen Sowjetzone geschaffene Staatssicherheitsamt (SSA) Staatssicherheitsdienst (SSD) heißen.

DIE WOCHE

Präsident Truman gab eine Erklärung über die amerikanische Außenpolitik ab, in der er die Vereinigten Staaten und die anderen freien Nationen der Welt aufforderte, bereit zu sein, notfalls Gewalt gegen den „tödlichen Angriff des Kommunismus anzuwenden.

Geballte Ladung – geballte Faust

Siebzig Kinder aus Watenstedt – Salzgitter fuhren in die Ostzone. Zu Erholungszwecken, wie es heißt. Man hat sie eingeladen, im Harz drei oder vier Wochen Urlaub vom Elend zu verbringen.

Eine Chance für Japan

Kann Japan jetzt zum erstenmal nach dem Kriege mit dem Beginn von Friedensverhandlungen rechnen? In der Präambel des „Freundschafts-, Bündnis- und gegenseitigen Beistandspaktes“ zwischen der UdSSR und der Chinesischen Volksrepublik erklären die beiden Partner ihren Willen, „die Wiedergeburt des japanischen Imperialismus und die Wiederholung eines Angriffs von Seiten Japans oder irgendeines anderen Staates, der sich direkt oder indirekt in irgendeiner Form mit Japan zu Angriffshandlungen vereinigen würde, zu verhindern“.

Internationale Eis-Revue

Tom Arnolds „International Eis-Revue“, die, wie es heißt, schon New York und London erfreute, begann in Hamburg ihre Deutschland-Tournee.

Notizen

Das Projekt eines Universitätsstaates auf österreichischem Gebiet in Kärnten trug der Wiener Universitätsprofessor Doktor Lukas Pressevertretern vor, Doktor Lukas will auf einem 200 Quadratkilometer großen Gelände zwischen Klagenfurt und Sankt Veit an der Glahn den internationalen Staat „Universitas“ gründen, in dem neben den nationalen Universitäten der einzelnen Länder eine „Weltuniversität für die besten Köpfe aller Völker“ errichtet werden soll.

Das neue Beamtengesetz

Von unserem Bonner Korrespondentea Robert Strobel Bonn, im Februar Um wenige Gesetze wurde bisher so lange und zäh gerungen, wie um das Beamtengesetz. Das begann schon im bizonalen Wirtschaftsrat.

Tito laviert

Die wirtschaftliche Entwicklung in Jugoslawien ist während der letzten Monate immer schwieriger geworden. Aus Briefen und Berichten von Reisenden geht hervor, daß der Mangel an Lebensmitteln und Gebrauchsgütern immer mehr Anlaß zur Sorge gibt und daß die Weiterführung des Fünf jahresplanes ernstlich in Frage gestellt ist.

Traumsehnsucht im Trickfilm

Es gibt auch heute eine Popularität, deren Gegenstände weder Menschenschicksale noch Zeitmasken sind. Bruno Franck hat in seiner jetzt wieder auf dem Theater erscheinenden Komödie „Nina“ sehr amüsant die Unpersönlichkeit des Ruhms aufgezeigt, den ein Filmstar genießt: Seine äußeren Attribute werden von der illusionswilligen Masse auch dann für voll genommen, Wenn sie einem Double aufgehängt sind.

Skandal um Frankreichs Armee

Quelle triste journée“, seufzte Frankreichs Ministerpräsident Georges Bidault. Welch trauriger Tag! Auf seinem Schreibtisch im Hotel Matignon lag die Akte „Revers-Mast“.

Zwischen Tod und Unendlichkeit

Wo das Massiv des Karst steil und mit einer Landzunge ins Meer hinausspringt, liegt hoch aber ein Felsennest, das Schloß Duino, zwischen Tod und Unendlichkeit – Thema der "Duineser Elegien" Rainer Maria Rilkes.

Bücher oder Schuhe?

Es ist zwar nicht der beste Trost, zu erfahren, da& es andern, auch schlecht geht. Aber es fällt einem vielleicht eher etwas ein, wenn man sieht, daß die schwierige Lage, in der man steckt, weiter ausgreift und auch die bisher Bessergestellten betrifft.

Geduldig wie ein Pulverfaß

Der Auszug der Pétainisten aus den Gefängnissen der vierten Republik hat begonnen. Georges Claude, Physiker von Weltruf, 1945 als Kollaborateur zu lebenslänglicher Haft verurteilt, war der erste; Henri Béraud, Schriftsteller, Journalist und fanatischer Englandhasser, wird ihm in wenigen Wochen folgen.

Kunst gleich Kanalisation

Im alten Griechenland war das Theater ein Mittelpunkt des Lebens, heute ist es an die Peripherie gerückt und zum Luxus erniedrigt worden.

Wo steht die junge deutsche Kunst?

Am 15. Februar wurden in München die Preisträger des von dem amerikanischen Mäzen Blevin Davis gestifteten deutschen Kunst Preisausschreibens 1949 bekanntgegeben.

Im Labyrinth der Ärzte

Da ist Charcot, der Vater der Nervenheilkunde und Dompteur der „großen Hysterie“, Charcot, zu dem vor 60 Jahren die Millionäre aller Länder kamen, um ihre Lebensbeichte in sein steinernes Herz zu stammeln und ein Bromrezept von ihm zu empfangen: Léon Daudet, in jenen Jahren selbst noch Mediziner, beobachtet von der Galerie de Bibliothek Charcots – wo er als der Sohn Alphonse Daudets, der Freund des Hauses war, arbeiten durfte – den vorzeitig Heimgekehrten, der sich einsam wähnt.

Der Weg der Rakete

Die Biographie der Rakete, die Heinz Gartmann in seinem Buch „Raketen von Stern in Stern“ (Lot-Verlag, Worms) gibt, ist nicht allein eine Lebensgeschichte des Menschheitstraums von der Weltraumschiffahrt, sondern eine ernste und spannende, manchmal humorvolle Reportage über Stand und Zukunft der Raketentechnik.

Nicht überrestaurieren!

Es sei einem Maler erlaubt, den Blick auf ein hervorragendes Kunstwerk zu lenken, das zwar vor der Zerstörung im Krieg wunderbar behütet wurde, aber vor der neuen, noch abwendbaren Gefahr steht, sein Leben durch Überrestaurierung zu verlieren.

Kein deutsches Gesetz 75

Um das Gespräch über das Gesetz zur Entflechtung des Kohlenbergbaus und der Eisen- und Stahlindustrie deutscherseits wieder einen Schritt vorwärts zu bringen, hat der Bundeskanzler am 22.

Ein wertvoller Beitrag

Verdient die Summe der gegenwärtig neben- und übereinander bestehenden Steuern noch de Bezeichnung eines Steuersystems, und entspricht dieses dem Wirtschaftssystem der sozialen Marktwirtschaft? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich die neueste Denkschrift der „Volkswirtschaftlichen Gesellschaft e.

Wiederaufbaubank will Europa dienen

Durch die Anfang Januar-, erfolgte erste Zuteilung von ERP-Gegenwertmitteln an die Kreditanstalt für Wiederaufbau, im Rahmen des ECA-Abkommens, wurde ein neuer Abschnitt in der Tätigkeit dieses Instituts eingeleitet.

Soforthilfe mit Ungerechtigkeiten

Es ist an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen worden (vgl. „Die Zeit“ vom 26. Januar), zu welchen Ungerechtigkeiten und Härten die Soforthilfe im einzelnen geführt hat und wie viele Zweifelsfragen noch ihrer Lösung harren.

Steckenpferd-Parade

Als sich die deutschen Fachleute an ihre Fleißaufgabe machten, einen Bericht über die mutmaßliche weitere Entwicklung bei uns für die OEEC zu verfassen, standen sie vor der Frage, sie ja an dem unter dem Namen Longterm-Plan bekannten Ziffernwerk nicht vorübergehen konnten, ob sie die Zukunft günstiger oder ungünstiger bewerten sollten als jener alte Plan.

Persönlichkeitsfrage

In Stuttgart bemüht sich ein Kreis von Unternehmern darum, in gegenseitiger Diskussion innerbetriebliche Probleme der Beziehungen von Mensch zu Mensch zu lösen.

Gehören Maschinen zur Fabrik?

einmal demontiert. Doch ist Wien nicht mit Berlin gleichzusetzen, oder die österreichischen Ostprovinzen mit Pommern oder Brandenburg.

Neue Wege

Die Forderung des Exportes steht heute im Vordergrund aller Bemühungen. Einen neuen Weg auf diesem Gebiet wählte kürzlich eine Hamburger Firma, die die Exportvertretung verschiedenen führender Industriewerke Westdeutschlands hat: sie zeigte in Ausstellungsräumen der Innenstadt für Exporteure und Auslandskäufer eine interessante Musterschau von den Erzeugnissen der von ihr vertretenen Firmen.

Madrid hat große Hoffnungen

Mit Energie und Geschicklichkeit verstand es Spanien, vor allem in den letzten Monaten, seine handelspolitischen Beziehungen nach den verschiedensten Richtungen auszubauen und neue Verbindungen zu knüpfen.

Handel mit Peru

Die in Lima zur Untersuchung des deutschperuanischen Handels gebildete Kommission hat ihren ersten Zwischenbericht an das peruanische Wirtschaftsministerium veitergeleitet.

Gefragte Wollstoffe

Die schweizerische Wollindustrie, die derzeit 17 Kammgarnspinnereien, vier Streichgarnspinnereien, acht Woll- und Effektgarnzwirnereien und 27 Tuch- und Deckenfabriken mit insgesamt 330 000 Spindeln und 2700 Webstühlen umfaßt und rund 10 000 Arbeiter beschäftigt, hat in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen, der der englischen Erzeugung immer stärkere Konkurrenz macht.

Die Importschrumpfung der Schweiz

Der schweizerische Export hat im Vorjahr mit 3456,7 Mill. sfrs die Wertziffer des Jahres 1948 noch einmal um 22,2 Mill. überboten, was scheinbar alle Propheten einer beginnenden Dämpfung der Außenhandelskonjunktur Lügen straft.

Paraguay-Baumwolle

In der vergangenen Woche wurde in Frankfurt das erste Nachkriegs-Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Paraguay abgeschlossen.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Die Deutsche Kohlen-Bergbau-Leitung, Essen, hat durch ihre Informationsabteilung im Verlag E. A. Seemann, Köln, den „Ruhr Almanach vom Bergmann und Bergbau, 1950“ herausgeben lassen.

Gebührenfreiheit!

Dieser Tage wurde einem Hamburger Kaufmann aus seinem Kraftwagen in Berlin die Aktentasche mit sämtlichen Ausweisen und Geschäftspapieren gestohlen.

Gewerbefreiheit für Apotheker?

Die Apothekerkammern des Bundesgebietes haben einen Gesetzentwurf über das Apothekenwesen ausgearbeitet, der auf einer Arbeitstagung in Frankfurt a.

Neue Produktion

Bei der Auto-Union in Ingolstadt lief dieser Tage der 1000. 3/4-t-DKW-Schnellieferwagen vom Band. Die Monatsproduktion beträgt augenblicklich 400 Lieferwagen und 1000 Motorräder.

Kollektiv-Demontage

Im Salzgittergebiet gehen eigenartige Dinge vor. Hier wird nämlich im Rahmen der Reichswerke-Demontage eine Erzaufbereitungsanlage abgebaut, die weder zu den Reichswerken gehört, noch auf der Demontageliste steht: Es handelt sich um die „Renn-Anlage“, die vor Jahren von Krupp unmittelbar neben den Reichswerken errichtet wurde, um die eisenarmen Salzgittererze für die eisenschaffende Industrie an der Ruhr aufzubereiten, also hochofenfähig zu machen.

Nylon ohne Angebot

Sehr vorsichtige Einkaufsdispositionen und mittelmäßige Umsätze waren die Hauptmerkmale der 43. Hamburger Textil-Mustermesse, die am vergangenen Wochenende 1000 Aussteller aus ganz Westdeutschland und Berlin und 10 000 Einkäufer aus Einzelhandelskreisen nach Hamburg geführt hatte, wo man immer noch gezwungen ist, derartige Ausstellungen behelfsmäßig in Zelten unterzubringen.

Augenbank für Blinde

Seine gesunden Augen bot ein junger Deutscher einem französischen Kriegsblinden an als Sühne dafür, daß er gegen Ende des Krieges als Angehöriger einer Volkssturmeinheit einen französischen Plünderer zu erschießen hatte.

Ein künstlicher Mond

Der Vorstoß in den Weltenraum ist nicht mehr bloß ein Unternehmen der Phantasie. Er läßt sich heute technisch und auch nach der Kostenseite genau berechnen.

Die gelehrte Hausfrau

Seit drei Jahrzehnten fahndet man bei schleichenden Leiden nach „Herd-Infektionen“, die bekanntermaßen zumeist von den Wurzelspitzen „getöteter“ Zähne ausgehen, jedoch auch in chronisch entzündeten Gaumenmandeln, glimmenden Gallenblasen, Wurmfortsätzen und versumpften Dickdarmtaschen sitzen können.

Der Kragenknopf des Herzogs

Revolutionen in der Damenmode werden von Pariser Modeschöpfern und amerikanischen Textilfirmen gemacht, die Geld verdienen wollen, und von den Frauen, die den Mut besitzen, alles zu tragen.

Witze hinter dem Vorhang

Seit jeher haben die Völker, die unter Diktaturen und Polizeiregimen leben, ihre Kritik durch Anekdoten und Witze auszudrücken versucht.

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