Wir sind leicht geneigt zu glauben, es sei jene Zäsur von 1933, durch die eine lebendige Entwicklung auch in den Künsten plötzlich zerschnitten wurde, heute in ihren Folgen bereits überwunden. Zwar seien viele zu beklagen, die in den Jahren der Naziherrschaft zugrunde gehen mußten, aber für diejenigen, die den Sturm überstanden, sei es gewissermaßen selbstverständlich und ein Leichtes, dort wieder anzuknüpfen, wo sie einmal aufgehört haben. Nichts könnte unrichtiger sein als eine solche Meinung. Aus zweierlei Gründen: Kein wahrer Künstler kann die Bitterkeit jener düsteren Jahre vergessen, in denen es ihm nicht erlaubt war, sich frei im Wettbewerb mit Seinesgleichen zu entwickeln. Und gleicher Weise fehlte ihm damals, da er verborgen leben und schaffen mußte, jene für einen Künstler nun einmal nötige Reibung an Widerständen, die Belehrung durch Kritik oder Zustimmung des Publikums. So sind viele Künstler in eine Vergessenheit geraten, die es ihnen schwer gemacht hat, neu zu beginnen. Und so ist es immer noch nötig, manch einen dem Dunkel dieser Vergessenheit wieder zu entreißen und ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen.

Zu diesen Künstlern, am die es sich lohnt, zählt der Maler Arnold Fiedler. Als im Jahre 1933 die Hamburgische Sezession aufgelöst wurde, gehörte er zu den jüngeren Mitgliedern. Heute leitet er den Baukreis, in dem sich eine Reihe bildender Künstler, Architekten und Kunstgewerbe zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossen haben, und er hat just seinen 50. Geburtstag gefeiert. Was ihn früher auszeichnete, ein dem französischen ähnliches, an der Pariser Luft geschultes Farbgefühl, eine schmelzende Süße des Kolorits, hat er behalten. Auch die Liebe zu romantischen Themen ist ihm geblieben. Doch ist dies alles in den Nachkriegsjahren intensiver geworden. Die Farben sind heute strahlender und freier, die Vorwürfe phantastischer, wirklichkeitsferner und ganz und gar poetisch.

Arnold Fiedler sollte unter den heutigen deutschen Malern beachtet werden, um seiner Eigenart, seines Könnens und seiner Qualität willen. Aber er ist nicht der einzige, den man der Vergessenheit entreißen muß, in die er durch das Schicksal der Nazijahre geraten ist. Wir sollten die Augen offen halten und suchen, neben ihm noch andere wiederzuentdecken. Doch müßte, was sie geschaffen haben, damit wir darüber froh sein können, ein so schönes malerisches Können und so viel innige Poesie aufweisen wie die Bilder von Arnold Fiedler.

Martin Rabe