DIE ZEIT

Bonn muß zugreifen

Der Vorschlag des amerikanischen Hohen Kommissars John J. McCloy, in ganz Deutschland freie Wahlen abzuhalten, ist von der Bonner Regierung und den Bonner Parteien mit einer bemerkenswerten Kühle aufgenommen worden.

Frankreich vergißt Europa

Der letzte Sonntag war ein Tag der Volkstrauer im doppelten Sinne: um die Toten zweier Weltkriege und um die Saar. Diese Saartrauer kann man uns so wenig verwehren, wie die Totenklage.

Chaos im Äther

Nicht genug, daß wir den Krieg zu Wasser, zu Lande und in der Luft verloren – wir wurden auch im Äther besiegt, und wenn es wirklich nach dem „Kopenhagener Plan“ gehen sollte, würden wir am 15.

Mißbrauchte Macht

Die kommenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein werfen ihre Schatten voraus – denkbar trübe Schatten.

Ein aufrechter Minister

An der Zonengrenze stehen die ersten Transporte von Deutschen, die neuerdings wieder aus Polen und den Gebieten jenseits der Oder und Neiße ausgewiesen werden, die ersten von vielleicht 100 000 oder 200 000, deren sich die Polen jetzt entledigen wollen.

Päpstliche Botschaft

Daß „diejenigen, die an Christus glauben, sich einig werden wollen“, sei das Grundmotiv für die letzte Enzyklika an die katholischen Priester, erklärte der Papst.

Speditionsbüro für Menschenfracht

"Moshna?" fragen wir an der Tür. Und "Moshna!" antwortet von drinnen eine tiefe Männerstimme... ... "es ist erlaubt". Das Betreten des Lagers allerdings war nicht erlaubt.

Skandal in Dänemark

Der dänische Justizminister Busch-Jensen erklärte jüngst öffentlich, viele Dänen hätten ihm geraten, er möge sich die vergangenen Ereignisse nicht zu Herzen nehmen.

DIE WOCHE

Ein „Heißer Krieg“ mit der Sowjetunion sei weder unvermeidlich noch wahrscheinlich, stellte George F. Kennan, einer der Hauptplaner des „Kalten Krieges“ in einem Aufsatz in Reader’s Digest fest.

Klaus Fuchs: gespaltener Mensch

Der kommunistische Spion Klaus Emil Fuchs ist in England wegen „Verrats wichtigster Atomgeheimnisse“ zu vierzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Tragödie des Blutes

Als der Name Lorca auf der deutschen Bühne auftauchte, schien es sich um ein lyrisches Talent zu handeln, das sich der Szene bedient Nicht nur die Bezeichnung seiner „Bluthochzeit“ als einer „lyrischen Tragödie“ deutete darauf hin, auch surrealistische Partien, musikalische Folkloristik und die Stimmungskraft andalusischen Brauchtums reduzierten das Dramatische.

Der Friede vom Petersberg

Es war ein guter Auftakt für die Verhandlungen auf dem Petersberg in der Memoranden-Angelegenheit, daß McCloy die Anweisung an seinen Stab gab, wonach kritische Äußerungen zur deutschen Wirtschaftspolitik künftig nur dann zur Veröffentlichung gegeben werden, sollen, wenn sie sein Signum tragen.

Kurier der Königin

Eine neue Dostal Operette Feuerströme von Jazz sind im den letzten Jahren auf ans heruntergeregnet, doch sonderbar: sie haben Nico iDostal nicht anfechten können.

Weibliche Perspektive

Es ist ein Ereignis, daß auch Skeptiker ins Kino zieht, wenn Paula Wessely sich in einer neuen Rolle zeigt. Der Film „Vagabunden der Liebe“, der – im Salzburger Festspielhaus als Filmatelier gedreht – jetzt in mehreren westdeutschen Städten anlief, schließt sich an das gleichnamige Schauspiel von Juliane Kay an.

Fortners Ballett „Weiße Rose“

Mit der Musik zu dem Ballett „Die weiße Rose“, die das Südwestfunk-Orchester unter Leitung des Gastdirigenten Ernest Bour (Paris) im Rahmen seiner öffentlichen Sinfonie-Konzerte im Baden-Badener Kurhaus zur Uraufführung brachte, ist Wolfgang Fortner fast unversehens in die schmale Reihe jener Komponisten von Rang aufgerückt, die, an den frühen Strawinskij-Balletten „Feuervogel“ und „Petruschka“ geschult, mit den Mitteln der modernen Musik eine Renaissance des klassischen Balletts herbeigeführt haben.

Der neu vergoldete Rubel

Der Wert des Rubels ist offiziell von 5,30 auf 4 Rubel je Dollar festgesetzt worden – das ist vorwiegend eine propagandistische Maßnahme.

Ein Dichter als Agent

Als das beste Pferd im Stalle der sowjetzonalen „Deutschen Demokratischen Republik“ gilt der Dichter Stephan Hermlin. Ein Dichter? O ja, denn die ,,Balladen“ Hermlins verraten einen Lyriker von echtem Gefühl und Form vermögen; seine Rede freilich, die er in Hamburg als „junger Schriftsteller“ aus der Ostzone vor der Freien Deutschen Jugend und ihren Freunden hielt, war nur im ersten Teil – da er über literarische Dinge sprach und die Unklarheit und mangelnde Gestaltungskraft junger westdeutscher Autoren zu Recht angriff – hörenswert; im zweiten Teil dagegen, durch den die ganze Veranstaltung den politischen Akzent bekam, den sie von Anfang an haben sollte, zeigte sich, daß selbst das beste Pferd des ostzonalen Stalles auf der politischen Bahn lahmte.

Eugen Klopfer †

Eugen Klöpfer, der am 3. März in Wiesbaden an einer Lungenentzündung starb, ist nur 64 Jahre alt geworden. Er hatte, nachdem er die Nachkriegsjahre hindurch an den Folgen eines schweren Unfalls gelitten hatte, wieder neue künstlerische Pläne.

Die Volkspolizei der Sowjetzone

Ganz in der Stille haben vor einiger Zeit die beiden sowjetischen Ministerien des politischen Nachrichtendienstes und der Staatspolizei – MGB und MWD – in der UdSSR gemeinsam eine besondere Zentralstelle für „Desinformation“ eingerichtet.

Staatsmann mit moralischen Zielen

Es gibt unter den Namen der Staatsoberhäupter in den Jahren zwischen den Kriegen nur wenige, die auch heute noch außerhalb ihres eigenen Volkes einen Klang haben.

Wörterbuch für Österreicher

Das „Amtliche österreichische Wörterbuch“, an dem von zwei Kommissionen über zwei Jahre gearbeitet wurde, soll im Sommer dieses Jahres abgeschlossen werden.

Unter falschem Namen

Die Öffentlichkeit hat noch kaum Kenntnis davon nehmen können, daß die größte deutsche Bibliothek, die ehemalige Preußische Staatsbibliothek in Berlin, durch den Eisernen Vorhang in zwei Teile gespalten ist.

Die schwachen Punkte

Die junge Sowjetmacht schüttelte die Invasion ab; sie machte den Geschichtsschreibern noch einmal klar, daß junge Völker von ihrer inneren Umwälzung nicht schwächer werden, sondern gespannter und straffer.

Corinth in London

Es ist das Verdienst der Londoner Galerie Roland, Browse & Delbanco dem englischen Publikum zum erstenmal die Bekanntschaft mit Lovis Corinth vermittelt zu haben.

Der Malerpoet Arnold Fiedler

Wir sind leicht geneigt zu glauben, es sei jene Zäsur von 1933, durch die eine lebendige Entwicklung auch in den Künsten plötzlich zerschnitten wurde, heute in ihren Folgen bereits überwunden.

Zufälle der Geschichte

Es gehört nicht mehr zum besten Ton, das Mittelalter „finster“ zu nennen. Der Irrtum, der in dieser Redensart steckt, ist durch einen anderen abgelöst worden: man ist geneigt, der abendländischen Kultur eine ununterbrochene Tradition zuzuschreiben und sie als geschlossene Einheit von der Antike bis zur Gegenwart zu sehen.

Die Stimme des Gewissens

Ich fahre mit Daktyla zur nächsten Stadt. Die Stadt heißt Napoli, „alte griechische Kolonie, 536 den Goten durch Beiisar entrissen, 1140 von den Normannen besetzt, 1504 spanisch, 1735 bourbonisch, 1861 zu Italien“.

Philosophie im abgekürzten Verfahren

Es soll Philosophieprofessoren geben, die Studenten aus ihren Seminaren entfernen, wenn sie bei ihnen philosophische Texte in Form von „Kröners Taschenausgaben“ entdecken.

100 000 Volkswagen

Im Wolfsburger Volkswagen-Werk wurde am letzten Sonnabend der 100 000. Volkswagen vom Montageband gefahren. Dieser bedeutsame Tag war dem Werk Anlaß für eine kleine Feierstunde.

Bundesbahn in der Abwehr

Bei der Treibstoff-Preiserhöhung hat man von einer „Offensive gegen den Kraftwagen“ gesprochen und den Verdacht geäußert, daß die Bundesbahn an dieser Maßnahme mitgewirkt habe.

50 Jahre Ostasiatischer Verein

Am 13. März 1900 fand in Hamburg ein Treffen jener kleinen Gruppe hanseatischer Kaufleute statt, die als Wegbereiter des erst seit einigen Jahrzehnten erschlossenen freien Handels nach dem Fernen Osten bekannt waren.

Leipziger Luft

Die diesjährige Leipziger Frühjahrsmesse, am vergangenen Sonntag mit einem Aufgebot führender politischer Köpfe der Ostzonenregierung und in einem glänzenden Rahmen eröffnet, steht diesmal unter dem günstigen Vorzeichen einer gelockerten Atmosphäre, Sie wirkt sich allein schon in der erheblich angestiegenen Zahl der Aussteller (nicht nur aus Westdeutschland) und der gewachsenen Ausstellungsfläche aus: auf 130 000 qm zeigen 7500 Aussteller ihre Erzeugnisse und geben damit ein ziemlich lückenloses Bild der ostdeutschen und der westdeutschen Produktion.

Das Echo auf den Stahl-Bericht der UNO

Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird von Bonn offiziell die Erhöhung der deutschen Stahlquote, die bisher mit 11,1 Mill.

Seebohm könnte nun starten

Die Deutsche Bundesbahn hat nun bald das fünfte Jahr eines bedenklichen Interregnums hinter sich. Die gesellschaftsrechtliche Reform, die allgemein als unumgänglich notwendig, ja als Vorbedingung einer ertragswirtschaftlichen Gesundung der Bahn angesehen wird, läßt immer noch auf sich warten.

Nicht an den Kosten orientieren!

Das Bauprogramm der Bundesregierung sieht für das laufende Jahr den Bau von etwa 250 000 Wohnungen vor, während die Baukapazität material- und arbeitskräftemäßig mit 300 000 bis 350 000 Einheiten im Jahr anzunehmen ist.

Diamanten unter Boykott

Die alten und traditionellen Standorte der Diamantschleifereien liegen in Belgien, Holland und Westdeutschland. Während aber die belgischen und holländischen Diamantindustrien unmittelbar nach Kriegsende und auch jetzt wieder seit der Pfundabwertung eine überaus gute Konjunktur zu verzeichnen haben, ist die Beschäftigung der deutschen Diamantschleifer, die vor allem in Hanau, Idar-Oberstein und der Westpfalz beheimatet sind, völlig unzureichend.

Mit achtzig Jahren

Da wäre also der unwahrscheinliche Fall eines Mannes, der auch nach Vollendung seines achtzigsten Lebensjahres noch „in voller körperlicher und geistiger Frische“, wie ihm jedermann gern attestieren wird, in der Alltagsarbeit steht, mit Behörden, Politikern, Verbänden, Unternehmern verhandelt, große Objekte für seine Gesellschaft kauft und verwaltet, Siedlungs- und Baupläne prüft, begutachtet und selbst entwirft, den Aufbau der Siedlungen in ständigem Kontakt zu seinen Schutzbefohlenen überwacht und durchführt .

Ein Kapital-Fragebogen des ERP

Die Zeiten ändern sich ... In Europa hat man den Begriff „Privates Auslandskapital“ vom Index gestrichen. Sprach schon der zweite Jahresbericht der Pariser europäischen Marshallplan-Verwaltung davon, daß „nur im Falle der Wiederaufnahme privater amerikanischer Kapitalinvestitionen in Europa und in der übrigen Welt (gemeint ist die westliche ) der Zahlungsbilanzausgleich denkbar“ sei, so war es nach dieser ersten Erkenntnis zum zweiten Schritt in dieser Richtung nicht mehr weit.

Inlandwolle billiger

Die zweite freie Wollauktion brachte in Paderborn eine Korrektur der fast sensationell zu bezeichnenden Preise derJanuar-Versteigerung.

Schokolade auf Schleichwegen

Als die JEIA vor Jahr und Tag dem westdeutschen Rohkakaohandel endlich die ersten bescheidenen Kakaoimporte genehmigt hatte, fand die Schokoladenindustrie, die heute in Westdeutschland über 85 alteingesessene und 60 ehemals im Osten ansässig gewesene Betriebe verfüg:, schon eine recht ungleiche Startebene vor.

Neue Produktion

Die Hanomag hat die deutsche und ausländische Öffentlichkeit mit einem neuen Fahrzeug übrrascht: es kam ein 1,5-t-Diesel-Schnell-Lastwagen auf den Markt.

Wie ich Amerika wiederfand

Ein Amerikaner, der als Soldat im Krieg und Nachkrieg in Europa, in Deutschland, war, kehrte nach Amerika zurück und beschreibt seine Heimat, wie er sie wiederfand.

Die einfachen Chancen

Zum Gebrauch für den Kindertisch sind neuerdings kleine Spiel-Roulette in den Handel gekommen. Sie werden mit einer einfachen Feder betätigt, und der Hausvater kann an den langen Winterabenden die Methoden ausprobieren, mit denen er im Sommer die Kasinos von Baden-Baden, Travemünde, Westerland und Neuenahr sprengen wird.

Aus Spiel wird Arbeit

Der Mensch“, sagt Schiller, „ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, und der holländische Geschichtsphilosoph Jan Huizinga hat in einem der hellsichtigsten Bücher dieses Jahrhunderts den „Homo Ludens“, den spielenden Menschen, als den immer wiedergeborenen Urvater aller Kultur, Kunst, Wissenschaft und Religion beschrieben.

Warum sie bleiben...

Frau B. zum Beispiel, dreiundvierzigjährig, tüchtig und unternehmend, scheint noch bemittelt zu sein: sie besitzt ein ehemals berühmtes Kaffee und mehrere Häuser.

Rückkehr aus Israel

Die IRO (International Refugee Organisation) und deutsche Behörden in der amerikanischen Zone wurden in letzter Zeit durch zunehmende Rückwanderung jüdischer DPs aus Israel vor besondere Probleme gestellt.

Bildhafte Sprache im Parlament

Dr. Baumgartner (Bayern-Partei): „Wir lieben die Limonade nicht, so wie man sie anderswo liebt (Heiterkeit). Uns ist ein gutes Maß Bier lieber als eine Limonade oder Marmelade (erneute Heiterkeit).

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