Es war einmal ... Es war einmal eine Zeit, in der gemeinschaftliche Handelsunternehmungen der Vereinigten Staaten und Rußlands bestanden. So gab es eine russisch-amerikanische Pelzkompanie, die ihre Tätigkeit in dem damals zu Rußland gehörenden Alaska ausübte. Da aber verkaufte Zar Alexander II. im Jahre 1867 Alaska für 7,2 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten, und seit jener Zeit trennt die Beringstraße die beiden Großmächte. Heute leben auf dem 1 518 000 Quadratkilometer umfassenden Territorium Alaska 100 000 Einwohner. Tundren, endlose Nadelwälder und wildzerklüftete Hochgebirge, die sich mit dem Mount Logan und Mount McKinley bis nahezu 6000 Meter erheben, formen das Bild einer Landschaft, in der es nur wenige Verkehrswege gibt. Eine einzige moderne Verkehrsader, die dreizehn Meter breite Alaskastraße, führt von Edmonton in Kanada nach Fairbanks in Alaska. Unter diesen Umständen kommt dem Luftverkehr eine besondere Bedeutung zu. Die Vereinigten Staaten haben in Elmendorf, Fairbanks und Eielson moderne Flughäfen gebaut, welche die Basis der Luftverteidigung Alaskas bilden,

Die märchenhaften Zeiten der amerikanischrussischen Freundschaft von ehedem sind vorbei. Heute hat die wachsende Spannung beide Mächte veranlaßt, ihren subarktischen Grenzgebieten erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Und was die Amerikaner betrifft –: auch sie wollen das Verteidigungssystem in Alaska erweitern. Und um die Möglichkeit einer Verteidigung zu erproben, fanden jüngst in Alaska gemeinsame Manöver amerikanischer und kanadischer Verbände statt. Alles in allem waren 5300 Mann beteiligt. Und das Manövergelände erstreckte sich über eine Länge von 550 Kilometer entlang der Alaska-Länge in einem Gelände, das durch seine Bodenbeschaffenheit und durch die herrschenden Wetter- und Schneeverhältnisse den Truppen das Abgehen von der Straße unmöglich machte. Nur an wenigen Tagen war die Wetterlage derart, daß die Luftwaffe eingesetzt werden konnte. Niedrige, oft bis auf den Boden reichende Wolken und Schneetreiben behinderten die Sicht. Eisige Winde machten die bis auf 62 Grad Kälte heruntergehende Temperatur nahezu unerträglich. Aber man wußte sich zu helfen: Die Bekleidung der Erdtruppen bestand nach dem Vorbild der Eskimotracht aus einer weißen Fellkombination mit Kappe und pelzgefütterten Seehundstiefeln. Als Kuriosum sei erwähnt, daß die für Beleuchtung der Zelte mitgeführten Kerzen derart präpariert waren, daß sie im Notfall als Nahrung dienen konnten.

Der Mannschaftstransport erfolgte in besonders abgedichteten, heizbaren, Lastkraftwagen. Aber bereits am ersten Tage des Manövers stellte es sich heraus, daß selbst mit geländegängigen Fahrzeugen ein Abweichen von der Alaskastraße unmöglich war. Die Kolonnen boten also den angreifenden Flugzeugen die lohnendsten Ziele. Und als während der zweiten Hälfte des Unternehmens das Wetter gut und der Einsatz von Aufklärern, Jägern, leichten Bombern und Transportflugzeugen möglich war, erwies sich die Luftwaffe als der beherrschende Faktor. Um auch auf arktischen Feldflugplätzen die Wartung der Flugzeuge zu ermöglichen, wurde in diesem Manöver ein Kleinhangar erprobt, der „die Nase“ des Flugzeuges aufnehmen kann und außerdem einen Arbeits- und Wohnraum für die Warte enthält. Der nur sieben Tonnen wiegende, zerlegbare Hangar kann auf – dem Luftwege transportiert werden. Das Baumaterial besteht aus Holzplanken für den Bodenbelag und Furnierholz für Seitenwände und Dach. Die Verankerung des Hangars aber geschieht auf ganz einfache Weise: der Bodenbelag wird mit Schnee bedeckt und es wird Wasser darübergegossen. Danach werden auf dem festgefrorenen Bodenbelag die Seitenwände errichtet und das Dach aufgesetzt. Um ein Auffinden notgelandeter Flieger zu erleichtern, führte jeder Flugzeugführer ein kleines Hochfrequenz – Taschenfunkgerät mit einer biegsamen Stabantenne bei sich. Wird diese Antenne verbogen oder zerbrochen, so gibt das Gerät automatisch einen Dauerton auf der Unfall-Wellenlänge.

Da es unmöglich ist, für das nördliche Nordamerika ein umfassendes Radarnetz einzurichten, das die Annäherung aller feindlichen Bomber feststellen könnte, haben sich die Amerikaner in Alaska auf örtliche Radarwarnanlagen für Flughäfen, Bevölkerungszentren und wichtige Fabrikanlagen beschränkt. Während des Manövers wurden transportable Radaranlagen verwendet.

Die Verteidigungsbastionen Alaskas sind die Flugstützpunkte, in denen man eine genügende Anzahl von Flugzeugen stationieren will, um jederzeit die Luftherrschaft über Alaska sicherzustellen. Die größte Gefahr für die Verteidigung Alaskas könnten aber auch Überraschungsangriffe eines Feindes auf diese Luftstützpunkte sein. Sollte es einem Feind gelingen, sie fest in seine Hand zu bekommen, dann besitzt er die Möglichkeit, mit seinen schweren Bombern lebenswichtige Zentren in den Vereinigten Staaten und Kanada anzugreifen... E. K.