Regisseur, Schauspieler, Theaterkritiker, Journalist, Essayist, Geschichtsphilosoph, Musikhistoriker, Novellist, Romancier, Filmautor und Dramatiker“ – die Aufzählung so vieler Gestalten, in denen ein und derselbe Mann nacheinander und gleichzeitig hervorgetreten ist, könnte vermuten lassen, daß von einem Proteus die Rede sei, der sein wahres Gesicht nie erkennen läßt. Ganz so wird es Rolf Italiaander (er formuliert jene Liste als Herausgeber einer Festschrift für den nun sechzigjährigen Frank Thieß) nicht gemeint haben. Aber der Reiz, den dieser vielseitige Autor auf seine sehr umfangreiche Leserschaft ausübt, beruht doch auf einem eigentümlichen Gegensatz von Lebhaftigkeit und Verschwiegenheit. Er teilt vieles von sich mit und nimmt mit gewinnender Unbefangenheit das Wort zu manchem Thema, das andere verstummen macht. Doch in all seinen so ganz subjektiv hervortretenden Äußerungen (den dichterischen wie den analysierenden) bleibt etwas unangesprochen: der sachliche Grund der Ergriffenheit. Thieß fabuliert unverbindlich, weicht der Tragik aus, stellt anheim, kurz: verbirgt und verhüllt die Unruhe seiner Existenz. Damit vermutlich erwarb er sich das Ansehen eines Trösters, eines Erleichterers. Viele, denen das nicht genügt und die von dem Engagement des Schriftstellers eine entschiedenere Auffassung haben, nennen ihn hingegen darum ungründlich. Vielleicht aber dürfen auch sie zugeben: die Umgänglichkeit ist seine schönste Eigenschaft. Sie wird von im ganzen zweiunddreißig „Gesellen gleichen Geschicks“ (wie es R. A. Schröder nennt) in der Festschrift bezeugt, die sein jetziger Verlag, Wolfgang Krüger, Hamburg, dem Autor und seinen Lesern zum 13. März kredenzt hat und die von der Quantenbiologie (Pascual Jordan) bis zur Nautik (Kapitän Schröder), von der Rechtsphilosophie (Karl Geiler) bis zur Musik (Josef Marx) die ganze Reichweite seiner Interessen abschreitet. cel.