Es geht dramatisch zu in Salzgitter-Watenstedt: Wenn wieder ein Fundament gesprengt wird, gehen rote Leuchtkugeln hoch, und Sirenen schreien. Sprengkommandos sind Polen; rings umher stehen britische Soldaten in kriegerischer Aufmachung; in einem größeren Kreis steht deutsche Polizei, der die Engländer vorwarfen, sie hätten ihre Pflicht nicht erfüllt; und fernab sicher, die deutschen Arbeiter, die dagegen zu demonstrieren wagen, daß man ihnen nicht nur den Arbeitsplatz nimmt, sondern offenbar auch die Möglichkeit, sich auf den Fundamenten der demontierten Betriebe neue friedliche Arbeitsplätze aufzubauen. Was Wunder, daß diese Arbeiter enttäuscht, mißtrauisch, radikalisiert sind! Diese Entwicklung war zu erwarten, und die „Zeit“ (Nr. 9 vom 2. März) hatte davor in einem Augenblick gewarnt, da äußerlich noch alles ruhig war. Jetzt ist es zum halben Aufstand, zur Demonstration, gekommen. Die Militärs – mit all dem Takt, der ihnen nicht eigen ist – pochen darauf: ‚Nennt erst die Rädelsführer, dann werden wir (vielleicht) gnädig sein‘. Sprechen’s und denken politisch zu handeln...

So blüht der Streit zwischen Briten und Deutschen; doch den lachenden Dritten vergißt man: den in der „Nationalen Front“ tätigen KPD-Mann der Ostzone, der – auch der kleinste ein Vertreter Stalins – weiß, daß sein Weizen nun auch in Westdeutschland zu gedeihen beginnt. Und wen man noch vergißt, das ist der Arbeiter im Industrieraum von Salzgitter, der – dies sei versichert – weder Hermann Göring heißt noch ein „Kriegspotential“ aufbauen wollte, sondern der nur eines will: ein bißchen Hoffnung und die Möglichkeit, für die Seinen zu schaffen, für den Frieden. M.