Leipzig, Mitte März Als vorläufiges Ergebnis der Leipziger Frühjahrsmesse sind Verkaufsverträge für 75,94 Mill. Ostmark bekanntgeworden, eingeschlossen die Abschlüsse mit Westdeutschland im Rahmen des Interzonen-Abkommens mit 30,16 Mill. Ostmark. Nach Ländern gegliedert hat Polen am meisten gekauft, ihm folgen Ungarn, Holland, die Tschechoslowakei und Schweden. Aus 28 weiteren Staaten liegen Aufträge vor; darunter einer der USA, die die Produktion des Meißner Zwiebelmusters für das Jahr 1950 aufgekauft haben. Nach Waren geordnet stehen die Exportabschlüsse In feinmechanischen und optischen Geräten an erster Stelle, gefolgt von Maschinen, Kraftfahrzeugen, Chemikalien, Blech- sowie Metallwaren.

Es war für die politischen Beobachter eine Enttäuschung, daß man von den von der Sowjetunion ausgestellten Waren weder Preise noch Lieferungsbedingungen erfahren konnte. Die Messe zeigte deutlich den Versuch der ostzonalen Stellen zu dem Kompromiß, im Osthandel sich zu verpflichten, ohne den Westhandel trotz der politischen Beschränkungen aufgeben zu wollen.

Nürnberger Tand

Das „liberalisierungsfreundlichste Publikum der Welt“ applaudierte dem „Fürther Kind“ Prof. Ludwig Erhard bei Eröffnung der Deutschen Spielwaren-Fachmesse 1950 am Sonnabend in Nürnberg, als er die Meinung vertrat, es brauche bei Beendigung des Marshall-Plans keine Katastrophe zu geben, wenn alle westdeutschen Wirtschaftszweige so exportfreudig wären, wie die Spielwarenindustrie.

Der erste Rundgang durch die „Nürnberger Messe bestätigt, daß alle herkömmlichen Spielsachen wieder in alter Qualität und reichhaltiger Auswahl angeboten werden. Zahlreiche Aussteller legen ein denkbar vielfältiges Sortiment aus. Entgegen der Vorjahrsentwicklung soll diese Fachschau, die sich absichtlich von den allgemeinen Messen abgesetzt hat, und die schon jetzt als „die schönste Spielwarenmesse der Welt“ bezeichnet wird, dem Hersteller wieder erlauben, frühzeitig zu disponieren. Die Aufträge müssen in dieser lohnintensiven Industrie über das ganze Jahr verteilt sein. Kurz vor Weihnachten könnte es kein Betrieb trotz Nachtschichten mehr schaffen.

Viele alte Namen treten uns entgegen. Steiff-, Knopf-im-Ohr- und Märklin-Eisenbahnen, Käthe-Kruse-Puppen und Nürnberg-Fürther Blechspielwaren sind da, wie einst. Aber fast jeder Hersteller hat sein Programm durch Neuheiten erweitert, und wo diese vorgeführt werden, sind sie Mittelpunkt des Andrangs. Einen Motorradfahrer, der auf dem Tische hin- und hersaust und sich richtig in die-Kurve legt, oder ein Trudel-Auto, das sich in der scharfen Kurve immer wieder überschlägt und doch wieder auf die Räder fällt, bietet ein Nürnberger Betrieb. Überhaupt sind Autos sehr zahlreich vertreten, denen ein Uhrwerk seltsame Schlangenlinien vorschreibt, oder die eine biegsame Welle von außen regiert. Dagegen sind Flugzeuge und Schiffe seltener, und natürlich ist Kriegsspielzeug gar nicht zu sehen.

Am meisten überrascht der Reichtum an Puppen, der vor allem aus dem Grenzwinkel Coburg-Neustadt kommt. Von jeder Art liegen für den Einkäufer gleich mehrere Größen bereit, mit echten Haaren, mit Schlafaugen, mit modischen Kleidern, aus Zelluloid oder Stoff, unzerbrechliche, und sogar Babys, die trinken, oder Klein-Ilse, die Melodien pfeifen kann, jede Schwester eine andere. Für diese Puppen stellt die Korbwarenindustrie entzückende Puppenwagen her, den richtigen Kinderwagen an Sorgfalt nicht nachstehend. Zu diesen begehrten Weihnachtsgeschenken gesellt sich auf der Messe noch die Industrie des Christbaumschmuckes, ebenfalls in den Notstandsgebieten beheimatet, mit bezauberndem Flitterwerk und leuchtender Kugelpracht. Bei.