Die synthetische Treibstoffproduktion Deutschlands erreichte 1944 annähernd 7 Mill. t, womit 50 v. H. des Kriegsbedarfs gedeckt werden konnten; die übrigen 50 v. H. des Bedarfs wurden durch die Verarbeitung von Erdöl aus Westdeutschland und den besetzten Gebieten gewonnen. Auf das Gebiet der heutigen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands entfielen 60 v. H. des synthetischen Produktionsvolumens, 25 v. H. auf Westdeutschland und 15 v. p. auf den polnisch verwalteten Raum.

Das Potsdamer Abkommen von 1945 umfaßt für alle Besatzungszonen Deutschlands u. a. auch das Verbot der Kohlebenzin-Synthese und den Abbau aller Werke. Während sich die Westmächte für ihre Zonen – selbst nach dem Demontagestopp – weiterhin an das Syntheseverbot halten, sahen sich die Sowjets durch ihren geringen Anteil von 12 v. H. an den Erdölvorräten und nur 8 v. H. an der Weltölförderung (selbst bei Einschluß der Satellitenstaaten) sowie durch den enormen, nach Fortfall der amerikanischen Lieferungen ungedeckten Kraftstoffbedarf der Besatzungsarmeen geradezu gezwungen, das Viererabkommen auch in dieser Beziehung zu brechen. Zur Tarnung erklärte die Sowjetische Militär-Administration (SMA) alle der Demontage unterliegenden Werke zu sowjetischem Eigentum in Form der „Sowjetischen Aktien-Gesellschaft (SAG)“. Zur Ausnutzung der synthetischen Möglichkeiten Ostdeutschlands wurde die UdSSR ferner durch das Fehlen erschlossener Erdölfelder in der Ostzone veranlaßt. Die vorhandenen Erdölraffinerien sind auf die geringen Zufuhren aus der sowjetischen Besatzungszone Österreichs angewiesen; sie können den notwendigsten Schmierölbedarf nicht decken. Schmieröleinfuhren aus Ungarn sowie die Beimischung synthetischer Komponenten helfen den empfindlichen Engpaß mildern.

In der Ostzone waren bei Kampfende 78 mehr oder minder kriegszerstörte Mineralölbetriebe vorhanden, davon 37 Kohle-Veredeluhgsanlagen Schwelereien, Synthese- und Hydrierwerke, owie Teerdestillationen), 10 Erdölverarbeitungstätten und 31 sonstige Weiterverarbeitungs-Fabriken. Nach dem Wiederanlaufen der Werke wurden trotz großer Anstrengungen im Jahre 1949 erst 800 000 t Treibstoffe oder 20 v. H. der Kapazität von 1944 erzeugt. Dazu kommen die bei der Synthese nebenher anfallenden Erzeugnisse Paraffin, Montanwachs sowie diverse Schmieröle aus der Erdölraffination und Benzol-Homologen aus der Steinkohleveredelung. Der Produktionsausfall durch Demontagen der Hydrierwerke in Magdeburg und Rodleben sowie von Anlageteilen der Leunawerke und mehrerer Schwelereien muß bei dem Vergleich jedoch berücksichtigt werden. Mit Hilfe der abgebauten Anlagen wird in der Sowjetunion bei Dserschinsk und Gorki eine neue synthetische Großanlage erstellt, wobei das ebenfalls demontierte Hydrierwerk Pölitz bei Stettin aus dem jetzt polnischen Gebiet Verwendung findet. Polen verbleiben nur 2 Hydrierwerke in Oberschlesien (Blechhammer und Heydebreck), während es die Erdölgebiete in Galizien an Rußland abtreten mußte.

Die Besatzungsmacht entnimmt aus der Ostzonen-Produktion 53 v. H. der Treibstoff-Erzeugung für ihre Zwecke (Rote Armee, Reparationen, sowjetische Betriebe und Exporte), 30 v. H. erhält die mit anderen Reparationsauflagen ausgestattete volkseigene Industrie und 17 v. H. die übrige Wirtschaft. Außerdem werden die gesamte Hartparaffinerzeugung als Reparationsgut entnommen und jährlich 10 000 t Rohmontanwachs exportiert. Der Bedarf der ostzonalen Farbenindustrie und Pharmazeutik in Benzol-Homologen kann deshalb nur sehr ungenügend gedeckt werden, weil erhebliche Homologen-Mengen für die Sprengstoff-Herstellung abgezweigt werden müssen. Der Mineralölhandel wird ausnahmslos von zwei staatlichen Handelszentralen durchgeführt; die volkseigene „DKMZ“ (Deutsche Kraftstoff- und Mineralölzentrale) und die russische DERUNAPHT, Nachfolgerin der bis 1935 in Deutschland vertretenen DEROP (Deutsch-Russische Öl-Produkten A.G.). Mangels eigener Vertriebseinrichtungen bedienen sich diese Staatskonzerngebilde aller Tanklager, Tankstellen und Spezialtransportmittel der aus dem Geschäft verdrängten und enteigneten deutschen und britisch-amerikanischen Mineralöl-Vertriebs-Gesellschaften. –de.