L. B., Kapstadt‚ Mitte März

Die besonderen Verhältnisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre haben in Südafrika eine erhebliche Veränderung der Wirtschaftsstruktur und damit der Marktverhältnisse bewirkt. Die Einschränkung der europäischen und amerikanischen Lieferungen bei Zunahme des Verbrauches und daher verstärkter Aufnahmefähigkeit des Marktes. das Vorhandensein in- und ausländischen anlagesuchenden Kapitals und andere Umstände ergaben eine Fortsetzung der Industrialisierung des Landes. Folge der verstärkten Industrialisierung ist, daß Südafrika nunmehr viele Erzeugnisse, vor allem Fertigfabrikate, selbst herstellt und als Einfuhrmarkt ausfällt. Dazu gehören Nägel, eiserne Schraubenbolzen (jedoch nicht stählerne und Holzschrauben) und Muttern, leichte und mittlere Pflüge, Verlegeschlösser, Rohrverbindungen (Fittings), Messinghähne, Aluminium-Haushaltwaren, Gummiwaren (einschließlich Kraftfahrzeugbereifung), Lederwaren, Schuhwaren, Papierwaren, Konserven und gewisse Nährmittel. Bei anderen Waren stieg die Erzeugung, ohne jedoch eine solche Höhe zu erreichen, daß man auf eingeführte Erzeugnisse vollständig verzichten kann, so bei Zement und Stahl, bei Eisenbahn- und Grubenwagen, Elektromotoren, Geldschränken, Glühbirnen und gewissen Textilwaren.

Trotz der fortgeschrittenen Industrialisierung ist Südafrika weiterhin in der Versorgung für viele notwendige Güter auf die Einfuhr angewiesen, weil infolge der besonderen Verhältnisse des Landes (Mangel an Rohstoffen und an Facharbeitern oder weil der Bedarf eine Massenfabrikation nicht rechtfertigt) eine Erzeugung im Inlande nicht in Betracht kommt. So werden vor allem eingeführt: Stahlwaren, Werkzeuge, Verbrennungsmotoren, Pumpen, Vorhängeschlösser, Nähmaschinen, Schreib- und Büromaschinen, medizinische und andere Instrumente und Einrichtungen, Lampen, Laternen, Kochapparate, elektrische Beleuchtungs- und Heizkörper, Eisschränke, Kühlanlagen, Porzellan- und Glaswaren, Uhren aller Art, Photoapparate und -artikel, optische Instrumente, Rasierapparate und -klingen, Rundfunkapparate, Grammophone und Platten, Musikinstrumente, Stahl- und Füllfedern, hochwertiges Papier, Stoffe, Unterkleidung, Socken und Strümpfe, Garne, Nadeln, Krawatten, Teppiche, Bücher und Noten. Dazu kommt der starke Bedarf der Industrie an Maschinen und Anlagen, der fast nur aus dem Auslande gedeckt werden kann. Die Zahl der Erzeugnisse, die eingeführt werden müssen, ist also groß. Allerdings unterliegt zur Zeit die Einfuhr infolge der Knappheit an ausländischen Zahlungsmitteln einer starken Kontrolle und Beschränkung. Der Import aller Waren, die nicht als notwendig angesehen werden, ist untersagt, und für alle einzuführenden Erzeugnisse ist eine Erlaubnis erforderlich. Die Höhe der den Importeuren zugebilligten Einfuhrquote richtet sich nach den zur Verfügung stehenden Devisen und beträgt einen gewissen Prozentsatz der in normalen Zeiten erfolgten Importe. Für Bezüge aus den Srerlingländern wird eine höhere Quote bewilligt als für solche aus den Nichtsterlingländern. Seitens mancher südafrikanischer Industriezweige ist von Zeit zu Zeit darüber geklagt worden, daß die Menge der zur Einfuhr zugelassenen Rohstoffe und Halbfabrikate nicht immer die volle Beschäftigungshöhe sichert.

Vor dem Kriege ist ein erheblicher Teil der Einfuhr des Landes von Deutschland gedeckt wo-den, und deutsche Waren haben sich in Südafrika immer eines guten Rufes erfreut, vor allem deutsche Maschinen, Werkzeuge, Stahlwaren, landwirtschaftliche Geräte, Kleinautomobile, Porzellanwaren und Musikinstrumente. Ein großer Teil der Händler- und Verbraucherschaft ist daher zur Abnahme deutscher Waren bereit, vorausgesetzt, daß diese preislich mit denen anderer Länder konkurrieren können und der Bezug nicht durch übermäßige bürokratische Maßnahmen erschwert wird, wie es leider bei Bestellungen in Deutschland – wohl ohne die Schuld der deutschen Stellen – der Fall ist. Zu berücksichtigen ist auch, daß bei einem bedeutenden Teil der südafrikanischen Importeure und Verbraucher die kapitalmäßigen und gefühlsmäßigen Bindungen mit England stark sind, und daß diese Gruppe verständlicherweise bemüht ist, die englische Wirtschaft in ihrem Exportbestreben nach Möglichkeit zu stützen. Die Bestrebungen, die Einfuhr englischer Erzeugnisse zu fördern, fahren zu gelegentlichen Zornesausbrüchen gegen den Bezug deutscher Waren. Sie sind vor allem seitens der Industrie- und Handelskammer in Durban erfolgt,

Bei der Prüfung der deutschen Ausfuhrmöglichkeiten nach Südafrika ist zu bedenken, daß England und die USA die stärksten Abnehmer südafrikanischer Erzeugnisse sind, was naturgemäß zu starken Importleistungen dieser Länder in die Union führt. Im letzten Jahre ist Deutschland als bedeutender Aufkäufer für südafrikanische Wolle aufgetreten, und die Südafrikanische Union erzeugt viele andere Produkte, die für den Ver-„and nach Deutschland in Betracht kommen. Die regelmäßige Abnahme dieser Erzeugnisse ist daher das beste Mittel, um sich Südafrika als Kunden zu sichern. Es ist daher im Interesse beider Länder wünschenswert, wenn ihre Handelsbeziehungen durch den Abschluß eines möglichst langfristigen Handelsabkommens geregelt werden. Daß Südafrika an Handelsbeziehungen mit Deutschland gelegen ist, geht daraus hervor, daß es in Frankfurt a. M. eine Auskunfts- und Vermittlungsstelle für Außenhandelsangelegenheiten unterhält (Anschrift: The Commercial Secretary for the Union of South Africa, Frankfurt a. M.).