Zum 200.Geburtstag der Astronomin Caroline Herschel

Von Martin Dömling

Als am 16. März 1750 Caroline Herschel als Tochter eines mager besoldeten Regimentsmusikus zu Hannover geboren wurde, konnte niemand ahnen, daß mit ihr der hervorragendste weibliche Astronom das Licht der Welt erblickt hatte; denn die „Herschels“ waren zwar im Reich der Töne zu Hause, aber in die Welt der Sterne war noch keiner von ihnen vorgedrungen. Caroline und ihr älterer Bruder Wilhelm haben in der Geschichte der Astronomie unvergänglichen Ruhm erworben.

Dem Vater fiel es schwer, seine siebenköpfige Familie durchs Leben zu bringen; ein Übermaß an Privatstunden und nächtliches Notenkopieren untergruben früh seine Gesundheit. Caroline sah ihn nur wenig, dennoch hing sie mit großer Verehrung an ihm. Sie war ein einsames Kind. Die älteren Geschwister kümmerten sich wenig um sie, und die Mutter, eine strenge und nüchterne Frau, brachte ihr kaum Verständnis entgegen, Ungeistig von Natur, widersetzte sie sich dem frühzeitig sichtbar werdenden Bildungsstreben Carolinens, indem sie die Tochter beharrlich zur Hausarbeit zwang. So lernte diese nur eben notdürftig lesen und schreiben, während sie im Waschen, Bügeln, Spinnen und Flicken alsbald große Geschicklichkeit erlangte.

Die Wirren des Siebenjährigen Krieges zerstreuten die Familie in alle Winde. Als Hannover von den Franzosen besetzt wurde, flohen die älteren Brüder nach England, wo sie, als tüchtige Musiker, ihr Auskommen fanden. Der Vater aber kehrte erst nach beendetem Feldzug von seinem Regiment zurück. Der Krieg hatte seine letzten Kräfte aufgezehrt. Er starb, als Caroline siebzehn Jahre alt war. Mittellos blieb sie mit der Mutter zurück, angewiesen auf die Gnade des ältesten, aus England zurückgekehrten Bruders Jacob, dem die beiden Frauen nunmehr den Haushalt führten.

Im Frühjahr 1771 berief ihr Bruder Wilhelm sie zu sich nach England. Schon immer hatte Caroline diesen Bruder besonders geliebt, war er doch der einzige gewesen, der ihr ein wenig Beachtung geschenkt hatte. Er lebte damals in dem Badeort Bath bei London, wo er neben seiner Tätigkeit als Kirchenorganist noch das Amt eines Chor- und Orchesterdirigenten versah. Er benötigte Caroline ebensosehr zur Führung des Haushalts wie zur Unterstützung in seinem Beruf; denn er beabsichtigte, sie, wenn möglich, zur Chorführerin und tüchtigen Sopranistin heranzubilden.

Mit einer Bereitwilligkeit ohnegleichen entsprach sie allen seinen Wünschen. Sehr bald bedeutete ihr Wirken für ihn eine Entlastung, so daß ihm zur Befriedigung seiner astronomischen Leidenschaft mehr und mehr Zeit blieb. Und selbst hier gesellte sich die Schwester zu ihm. Ihr Bildungstrieb schien unersättlich. Mathematik, ebene oder sphärische Geometrie, keine Schwierigkeit erschien ihr so groß, daß sie sie nicht hätte bewältigen können. Jahrelang hatte sich Wilhelm für die Weit der Sterne interessiert und in freien Stunden über jene Dinge eingehend unterrichtet. Er baute sich selbst eine große Anzahl Teleskope, mit dienen er den Himmel durchmusterte. Aber keines dieser Fernrohre wäre entstanden ohne die Mitarbeit der Schwester.