Die Wahlen in Griechenland haben mit einer entschiedenen Niederlage von Tsaldaris geendet, der in den letzten Jahren die bestimmende Persönlichkeit der griechischen Politik war. Seine monarchistische Volkspartei, die nach dem Kriege die Dynastie zurückholte und den Rückhalt jener Regierungen bildete, die den Bürgerkrieg zum glücklichen Ende brachten, hat ihre Mehrheit verloren. Es drückt sich darin das traditionelle Tempo der griechischen Innenpolitik aus, in der die Machtverhältnisse seit jeher so schnell wechseln, daß nicht nur Regierungen, sondern die Staatsform selbst sich alle paar Jahre zu ändern pflegte.

In die 250 Sitze des neuen Parlaments teilen sich hauptsächlich vier Parteien mit je 40 bis 50 Sitzen – die Endergebnisse liegen, noch nicht vollzählig vor, und zwar die gemäßigte Linke des Generals Plastiras, die Liberalen von Venizelos, die Sozialdemokraten des früheren Ministerpräsidenten Papandreou, der 1944 die Exilregierung nach Athen zurückführte, und die Volkspartei von Tsaldaris. Dazu kommen noch zwei Rechtsgruppen, Anhänger des verstorbenen Diktators General Metaxas und des Generals Zervas, mit zusammen etwa 25, und die eigentliche Linke unter der Führung von Sophiano poulos, der Neigung zum Zusammengehen mit den Kommunisten hat und daher deren Stimmen erhielt, mit ebenfalls etwa 25 Sitzen. Bei der Betrachtung des Wahlergebnisses muß man sich aber klarmachen, daß die griechischen Parteien nicht nach Programmen, sondern nach Führerpersönlichkeiten zu beurteilen sind. So sind die „Sozialdemokraten“ eine durchaus bürgerliche Partei, und die Plastiras-Gruppe ist keine „Linke“. Was man aber sagen kann, ist, daß Plastiras, der 1922 den König Konstantin zur Abdankung zwang und 1933 noch einmal einen Staatsstreich unternahm, ebenso Republikaner ist wie Papandreou und wie Venizelos, dessen bedeutenderer Vater die Dynastie jahrzehntelang bekämpft und wiederholt vertrieben hat.

Da der alte Putschist Plastiras nunmehr dem König eine Koalition mit Venizelos und Papandreou präsentiert hat, eine Koalition, die aus den drei stärksten republikanischen Parteien besteht, könnte die Monarchie bald abermals in Frage gestellt sein. Das mag der Grund dafür sein, daß der König offensichtlich zögert, eine Entscheidung zu treffen. Er hat dabei in Rechnung zu stellen, daß die Amerikaner, an deren Unterstützung für Griechenland auch nach dem Sieg über die kommunistischen Rebellen soviel liegt, für Monarchien nicht viel Verständnis haben, zumal wenn das Volk eine republikanische Mehrheit wählt. Doch sagt das Wahlergebnis in Wahrheit gar nichts Endgültiges aus. Würden nämlich die Kommunisten, die man im Augenblick in Griechenland für wenig gefährlich hält, wieder aktiv werden, so würden die Hellenen zweifellos sofort wieder zugunsten der Tsaldaris-Partei und des Königshauses einschwenken, um Schutz und Stabilität zu finden. H. A.