Wenigstens das „Pfadfinderkochbuch“ sollen seine Schüler bis zur Reifeprüfung beherrschen, verlangt der Direktor der Public School 26 in New York von seinen Jungen. Das amerikanische Beispiel des Kochunterrichts in Jungenschulen ist nun in Lauenburg an der Elbe nachgeahmt worden, wo für die 15- bis 19jährigen Knaben Kochen als Lehrfach eingeführt wurde. Außerdem hat die Lehrerinnenbildungsanstalt in München-Pasing mit dem Handarbeitsunterricht für ihre Knabenklassen begonnen. Alle Anstalten begründeten ihre Maßnahme mit dem Motiv, daß den Jungen das Erlernen von Kochen und Handarbeiten „gar nichts schaden könne“; die Initiative für diesen Unterricht ging in allen drei Fällen von weiblichen Lehrkräften – von Frauen aus. – Aber man weiß doch, daß Männer, die früher „jugendbewegt“ waren oder die beim Militär Erbsensuppe kochen und Knopfannähen lernten, oft die schwierigsten Ehemänner werden, weil sie ja alles „besser wissen“. Und warum sollte es nicht auch möglich sein, heute, da eine Frau ein zweitausendseitiges Buch schreibt, in dem sie die deutsche Philosophie von Kant bis Jaspers in den Sack zu stecken glaubt, daß nicht, auch einer der Primaner, die nun Nähen als Lehrfach bekommen, in absehbarer Zeit den Frauen etwas vornähen, daß ihnen Hören und Sehen vergeht? Von den Jungen selbst hört man nämlich, daß sie mit Eifer bei Kochtopf und Nähkästchen sind. Kein Wunder: in ihnen regt sich der männliche Selbständigkeitstrieb, der schon manchen Mann auf die „Marmorklippen“ getrieben hat, wo denn diese Männer von morgen also kochender- und strickenderweise hocken werden. – Andererseits läßt es sich nicht mehr übersehen, daß die Frauen heute bisweilen in männlichen Berufen klügere Dinge tun als ihre männlichen Kollegen. Warum, fragen sich diese Frauen, sollen wir denn immer kochen und nähen, wenn wir verheiratet sind? Das war sicher der Hauptbeweggrund für die Frauen, die den Unterricht vorschlugen. Sie sind alle berufstätig, nämlich Lehrerinnen. In Amerika, wo die Männer bisweilen den Frauen zu sehr das Kochen und Flicken abnehmen, hat diese Maßnahme daher nicht überrascht. Und für unsere „Knaben“, die bisher in diesem Alter mit dem Gewehr hantieren lernten, wird es gar nicht schlimm sein, wenn sie lernen, mit dem Kochlöffel umzugehen; wobei ja doch die Möglichkeit ausgeschlossen sein sollte, daß sich besagter Kochlöffel in ihrer deutschen Knabenhand zur Schnellfeuerwaffe umbildet.

Noch eine andere „reformatorische“ Maßnahme, die in allen Schulen Württemberg-Badens angeordnet wurde, kann man für ganz Deutschland zur Nachahmung empfehlen: dort sollen nämlich nach einem (Beschluß des kulturpolitischen Ausschusses die Lehrer von den Schülern nicht mehr mit ihren Titeln, sondern nur noch mit dem Namen angeredet werden. Fürwahr: ein außerordentlich weiser Beschluß für ein Volk, von dem ein Engländer einmal etwas boshaft aber doch nicht ganz unrichtig sagte, daß es nur aus Feldwebeln, und Oberlehrern bestünde. Und dennoch hätte man diesen Beschluß eigentlich schon eher erwarten können, weil der Typ des Oberlehrers (und hoffentlich auch der des Feldwebels) heute in Deutschland nur noch genau so selten und genau so häufig vorkommt, wie in jedem anderen Volk. Adrian Meierholt