Dem Bundestag liegt ein Antrag vor, er solleein einheitliches Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen schaffen. Bevor auch nur der Ansatz zu einer Entscheidung der Legislative sichtbar ist, entbrennt das Tauziehen um den künftigen Sitz des mutmaßlich entstehenden Amtes. Die SPD ist für Berlin, der Magistrat Berlin natürlich ebenfalls. In der Versicherungswirtschaft überwiegt dagegen die Ansicht, daß eh billiges und arbeitsfähiges Amt nur in den Westzonen seinen Sitz haben dürfe. Hamburg plidiert für Hamburg, weil hier die britischzonale Aufsichtsbehörde bereits eingespielt sei und als einziges noch bestehendes zentrales Organ vermutlich den Kern der neuen Bundesbehörde: bilden werde. München ist für München, Köln für Köln – jede Landeshauptstadt (bis auf Kiel) glaubt, die besten Voraussetzungen zu bieten.

Welche Argumente sprechen für wen? Und Joint es sich eigentlich, die Sache an die große Glocke zu hängen? Denn rein personell handelt es sich nur um ein Amt von höchstfalls 180 Köpfen. Nun, es lohnt sich insoweit, als hier Politik und Wirtschaft gegeneinander agieren. Rein politisch ist Berlin prädestiniert. Nach wirtschaftlichen Grundsätzen müßte einer Stadt im Westen der Vorzug gegeben werden, weil 96 v. H. des Versicherungsgeschäfts im Bundesgebiet abgewickelt werden, folglich die Versicherungsaufsicht mit ihren Prüfungen und Kontrollen nicht vom Geschäftsleben getrennt werden darf.

Nun sagt Berlin, in seinem Verwaltungsbereich arbeiteten noch 200 Versicherungsgesellschaften. Hamburg hält entgegen, daß diese 200 Gesellschaften auch in jeder anderen Stadt des Bundesgebiets arbeiten. Die Mehrzahl der einst in Berlin ansässigen Firmen hätten ihren Sitz in den Westen verlegt oder dort einen zweiten Sitz errichtet. Der nächste Trumpf der Reichshauptstadt ist die 25 300 Bände umfassende Versicherungs-Bibliothek. Der Westen schlägt zurück: die Bücherei sei veraltet. In Hamburg und Köln gäbe es qualitativ keineswegs schlechtere Bibliotheken. Und weil die Berliner Bücher Reichsbesitz seien, wäre es wohl Sache eines Spediteurs ... Der Berliner Bär greift erneut an. Die alten Akten des früheren Reichsaufsichtsamts seien noch vollzählig vorhanden. Der Westen wehrt ab mit der Feststellung, daß das Wichtigste verbrannt oder „im Exil“, in Görlitz, verlorengegangen sei. Nur noch die Gesellschaftsakten von rein historischem Wert wären vorzuweisen. Es ginge um Sachliches, nicht um Propaganda. Zum Beweis führt man viele – durchaus gewichtige – Argumente ins Feld, die alle darauf hinauslaufen, daß wirtschaftlichen Schwerpunkt und Aufsichtsbehörde nicht räumlich getrennt werden dürften.

Beide Seiten haben recht. Berlin bedarf politischer Unterstützung durch wirtschaftliche Hilfe. Der Westen braucht ein funktionierendes Amt. Darum schlagen wir vor: man gebe Berlin die juristische Spitze, die nicht allzu beweglich zu sein braucht, und gebe dem Westen eine starke „Zweigniederlassung“, die die wirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen vermag. Dabei kommt es auf die Amtsbezeichnung „als solche“ gar nicht an. Die Versicherungs-Aufsichts-Spitze braucht mit anderen Worten einen „Doppelsitz“. Wie verlautet, befreundet man sich auch in Bonn mit diesem Kompromiß, der Prestigekämpfe vermeiden läßt und wohl beiden Kontrahenten gerecht wird. W–n.

Vom Finanzministerium Nordrhein-Westfalen wird mitgeteilt:

Finanzminister Dr. Weitz verabschiedete kürzlich den ausscheidenden bisherigen Ministerialdirektor des Finanzministeriums Professor Dr. Weißer und führte den bisherigen Generalsekretär des Länderrates, Ministerialdirektor Dr. Troeger, In sein neues Amt als Ministerialdirektor des Finanzministeriums ein. Finanzminister Dr. Weitz würdigte bei dieser Gelegenheit besonders die Tätigkeit des scheidenden Ministerialdirektors Dr. Weißer, der auf dringenden eigenen Wunsch ausgeschieden ist, um entsprechend seinen wissenschaftlichen Neigungen einem ehrenvollen Rufe der Universität Köln zu folgen.

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Professor Fritz K. Schumacher, bisher Adviser beim britischen Hohen Kommissar, verabschiedet sich von Frankfurt, wie hier kürzlich schon angedeutet wurde (in dem Aufsatz „Haberfeldtreiben“, wo allerdings sein Name versehentlich in englischer Schreibweise wiedergegeben war). Er ist in den Londoner National Coal Board berufen worden.