Der Kampf der polnischen Regierung gegen die polnische Kirche ist in den letzten Wochen immer skrupelloser geworden. Als kürzlich einer jener Geistlichen, die den Zusammenschluß der sogenannten „Priester-Patrioten“ herbeigeführt und große Kundgebungen abgehalten hatten, in Warschau vom Episkopat seines Amtes enthoben wurde, zeichnete ihn die Regierung mit dem „Grunwald-Kreuz“ aus und setzte ihn zum Leiter des zwar kirchlicherseits aufgelösten, aber vom Staate her weiterbestehenden „Caritas“-Verbandes ein. Der hierbei deutlich zum Ausdruck gebrachte Appell an das patriotische Gefühl der Polen ließ den kommunistischen Überläufer im Handumdrehen zum aufrechten Märtyrer der Sache des Volkes werden – ein geschickter Propagandazug, der die Kirche zweifellos etliche Sympathien gekostet hat.

Ein zweiter, weit gewichtigerer Regierungserfolg war die Bitte des unter Hausarrest gestellten Bischofs von Kulm, Kowalski, um eine gnadenweise Einstellung des gegen ihn eingeleiteten Ermittlungsverfahrens. Er wolle „seine bisher mit dem Staatsgesetz kollidierenden Handlungen mit diesem in Übereinstimmung bringen und durch sein zukünftiges Tun den Beweis seiner positiven Einstellung zu der Regierung und ihren Verordnungen erbringen“ – so hieß es in der Bittadresse an den Staatspräsidenten Bierut. Selbstverständlich wurde seiner Bitte mit großer Genugtuung entsprochen, und so dürfte Kowalski der erste Kirchenfürst sein, der in die von der polnischen Regierung ausgelegten Netze ging.

Und dann holte die Regierung zu dem wohl bisher folgenschwersten Schlag aus, zu der Verstaatlichung des kirchlichen Grundbesitzes. Es war allen Eingeweihten klar, daß dieser Schritt irgendwann kommen werde, hieß es doch bereits in dem Bodenreformgesetz vom 6. September 1944, daß über die Kirchengüter zu einem späteren Zeitpunkt der Sejm entscheiden wird. Inzwischen ist dieser Moment nun gekommen, der Großteil der polnischen Priester eine loyale Zusammenarbeit mit Volkspolen herbeisehnt“, wie der Ministerpräsident Cyrankiewicz vor dem Sejm sagte, bevor er den entsprechenden Gesetzentwurf einreichte.

Anlaß hierzu sei, so hieß es unter anderem, „die Behandlung der Landarbeiter, die ihre Rechte erst durch Streiks (!) erkämpfen konnten“, sowie die Tatsache der aus dem Kirchenbesitz erwachsenden „unkontrollierten Einkünfte, die zudem für eine feindliche, politische Betätigung verwendet wurden“.

Zumindest eigenartig mutet aus dem Munde des Ministerpräsidenten das Argument an, die Landarbeiter müßten streiken, um ihren vollen Lohn zu erhalten, weiß man doch, daß seit den ausgedehnten, im Westen kaum bekanntgewordenen Textilarbeiterstreiks in Lodz und Umgegend im Jahre 1946 Streiks in Polen als defai-

tistisch verboten wurden, G. W. St.