Das Cello“, sagte Gasparo Cassado, „ist ein männliches Instrument.“ In der Tat spielte er das Cello-Konzert Dvořáks mit einer Kraft und einer Vitalität, die nichts Weichliches, ja beinahe nichts Weiches hatte. Der Italiener Meinardi hatte das gleiche Stück unlängst vorgetragen? seidener Wohllaut. Der Unterschied ihres Vortrags war der gleiche wie der ihrer Sprache –: das Spanische hat etwas Herbes, Schwirrendes gegenüber dem Italienischen. Beiden Cellisten über – jüngst dem Italiener Meinardi und jetzt dem Spanier Cassado – wurde in Hamburg ein Beifall zuteil, wie ihn die Annalen der Musikhalle wohl nur in ganz großen Augenblicken verzeichnen konnten.

„Ich mag das Cello“, sagte Cassado, „nicht tränenvoll. Oh, wie ich das hasse!“ Und er streckte abwehrend die Hand aus, eine verblüffende Hand: muskulös, breit, ebenmäßig, gar nicht sensibel, aber unerhört trainiert für schwierige Doppelgriffe und rasende Läufe. Und auf dem Podium bot er seine Virtuosität mit einem so musikantischen Schwung, daß unwillkürlich der Gedanke an Beethovens Wort sich einstellte; die Musik solle Feuer aus der Seele schlagen. Dabei war nichts von dem verloren, was Dvorak mit seinem Cello-Konzert sonst noch meinte: Das böhmisch Fließende, das slawisch Sehnsüchtige, die Seufzer und die frommen Aufblicke – alles war da. Übrigens begleitete Johannes Schüler, der das Symphonie-Orchester des Nordwestdeutschen Rundfunks dirigierte und später eine sehr ausgefeilte Wiedergabe der „Ersten“ Mahlers darbot, voller Sensibilität, indem er dem Solisten Cassado die Freiheit gab, die er brauchte.

Was aber den männlich vitalen, starken Ton seines Cellos betraf, äußerte sich später Cassado (befragt, ob das noch sein berühmtes von Stradivarius gebautes Instrument sei): „Ein zwei Jahre altes Cello, das mir, ein wunderbarer Geigenbauer in Madrid machte.“ Sprach’s und äußerte sich fortan nur noch über den Unterschied zwischen den robusteren amerikanischen und den feineren französischen Cello-Saiten. – In ebenso kleinem, ebenso musikinteressiertem Kreise erzählte Wolf-Ferrari einmal, daß er als blutjunger Musiker von Boito zum alten Verdi wäre mitgenommen worden. Sie saßen lange beisammen, Verdi sprach über die Kunst, artesische Brunnen zu bauen, über Viehzucht und über die Qualität einer Notenpapiersorte. „Kein Wort über Musik“, sagte Wolf-Ferrari, „und so viel Sachlichkeit machte ihn mir nun ganz und gar geheimnisvoll.“ J. M.