Von Wilhelm Ahlhorn

Als Abgesandte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. nahmen der Ehrenpräsident Staatsrat a. D. Wilhelm Ahlborn, der Präsident Landeshauptmann i. R. Hagemann und Generalsekretär Otto Margraf in Rom die Verbindung mit dem italienischen Generalkommissariat für die Ehrung der Gefallenen des Krieges auf.

Als infolge des chaotischen Zusammenbruchs im Jahre 1945 viele Zehntausende von Verlust- und Grablagemeldungen die Heimat nicht erreichten und die Verzweiflung der Angehörigen sich von Monat zu Monat steigerte, beschlossen die Männer des im Jahre 1919 gegründeten Voksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Arbeit wieder aufzunehmen. Überraschend schnell entwickelten sich die Verbindungen zu Italien, wo die alliierten Behörden die Angehörigen des Griberdienstes der ehemaligen deutschen Wehrmacht nach der Kapitulation als Kriegsgefangene ihren Dienst weiter versehen ließen. Wenn damit auch ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt war, so hat sich die Fortführung der Arbeit doch außerordentlich segensreich ausgewirkt, zumal es diesem deutschen Gräberdienst schon im Jahre 1946 gelang, die Verbindung mit dem Volksbund aufzunehmen und Grabnachforschungen gemeinsam zu bearbeiten. Als mit den letzten deutschen Kriegsgefangenen auch die Angehörigen dieses Griberdienstes den italienischen Boden verlassen sollten, erklärte sich der Volksbund bereit, die Kosten für ihr ferneres Verbleiben als Delegation des Volksbundes zu übernehmen; ein Beschluß, der vor der Währungsreform nicht eben leichten Herzens zu fassen war! Ihm verdanken wir aber die sorgfältige Registrierung von 90 000 deutschen Gräbern auf italienischem Boden, die Durchführung von vielen Tausenden von Umbettungen gefährdeter Feldgräber, die Identifizierung zahlreicher unbekannter Toter und die Klärung von Zweifelsfällen, die um so schwerer wiegen, als mit jedem einzelnen ja das Schicksal einer Familie verbunden ist.

Eine Reise deutscher Beauftragter des Volksbundes nach Rom brachte sehr positive Besprechungen mit dem italienischen „Generalkommissariat für die Ehrung der Gefallenen des Krieges“, sowie mit anderen Stellen, die sich der deutschen Gräber angenommen haben. Nicht weniger als dreiundzwanzig deutsche Friedhofsanlagen befinden sich im Räume von Cassino, Neapel und Salerno sowie im Gebiete zwischen Bologna, Ravenna und Verona. Es handelt sich dabei überwiegend um vorläufige Anlagen, die später zu größeren Friedhöfen zusammengebettet werden sollen. Wir fanden sie im allgemeinen in einem befriedigenden Zustande, wo Beanstandungen gemacht werden mußten, wurde bereitwillig Abhilfe versprochen. Es darf dabei allerdings nicht vergessen werden, daß diese provisorisch angelegten Gräberfelder leicht verunkrauten und die meist hölzernen Grabzeichen in Material und Beschriftung den Witterungseinflüssen nicht standhalten. In einer ganzen Reihe von Fällen konnten wir mit den örtlichen Stellen die Maßnahmen besprechen, die erforderlich sind, um grobe Schäden abzustellen, unter der Zusage der finanziellen Hilfe des Volksbundes. Alles in allem konnten wir uns aber davon überzeugen, daß Italien vorbildlich bestrebt ist, im Geiste der Genfer Konvention für die Pflege der deutschen Gräber zu sorgen.

Unser Besuch bei dem „Generalkommissariat für die Ehrung der Gefallenen des Krieges“, mit dem wir an einer Aussprache zwischen dem Volksbund und dem Generalkommissariat anknüpften, die im Dezember 1947 in Frankfurt stattgefunden hatte, zeigte, daß sowohl der Generalkommissar, Herr General Fadda, wie seine ersten Mitarbeiter, die Obersten Morandi, Palotta und Blanco, der Sorge des deutschen Volkes um die Gräber seiner Gefallenen tiefes Verständnis entgegenbringen.

Den Höhepunkt des Italienaufenthaltes bildete die uns vom Papst Pius XII. gewährte Privataudienz, die im päpstlichen Sommersitz Castel Gamdolfo am Lago da Albano stattfand. Es war unser Wunsch, Sr. Heiligkeit den Dank des Volksbundes für eine Geldspende des Vatikans auszusprechen, durch die uns die Fortsetzung der Tätigkeit unserer Delegation in Rom in einer Zeit finanzieller Bedrängnis ermöglicht wurde. Der Papst, ganz in Weiß mit einem Hermelinmantel, begrüßte uns in deutscher Sprache, die er vollkommen beherrscht. Er ist so sprachgewandt, daß er imstande ist, fast mit jeder Delegation in ihrer Muttersprache zu reden. Nachdem Präsident Hagemann den Dank des Volksbundes für die gewährte Hilfe übermittelt hatte, gab Papst Pius seiner warmen Empfindung für Deutschland Ausdruck. Er erinnerte sich mit besonderer Freude der Jahre, die er als Nuntius in Deutschland verlebt hat, und sprach die zuversichtliche Hoffnung auf eine Besserung der deutschen Lage aus. Ausdrücklich beauftragte er uns damit, dem deutschen Volke seine herzlichsten Grüße und Segenswünsche zu übermitteln.

Wie regen Anteil Papst Pius XII. an dem Werk der deutschen Kriegsgräberfürsorge nimmt, konnten wir aus einem anschließenden Gespräch mit dem Beichtvater Seiner Heiligkeit, Pater Laiber, erkennen, der um einen Bericht über die Tätigkeit des Volksbundes und insbesondere die seiner Delegation in Rom für die persönlichen Akten des Papstes bat. Einem aufgeschlossenen Interesse begegneten wir auch bei unserem Besuche bei dem Bischof und Abt von Monte Cassino. Dieses blutige Schlachtfeld des Krieges in Italien wird das nächste Arbeitsfeld unserer Delegation werden. Hier liegen die Toten noch zum Teil in flach aufgeworfenen Feldgräbern. Es ist zu hoffen, daß bei der Öffnung dieser Gräber noch die Identität manches Toten festgestellt werden kann, der heute noch als Unbekannter gilt. Der Abt und die Mönche des Monte Cassino sagten ihre volle Unterstützung für diese schwere Arbeit zu, mit derselben Bereitwilligkeit, die wir überall in Italien getroffen haben. Die Betreuung der deutschen Kriegsgräber ist auch den deutschen Landsleuten, die heute in Italien ansässig sind, eine tiefe Verpflichtung, die sie mit den Gefühlen und Anschauungen aller Kulturnationen eint.