Der Preisdruck bei Quecksilber, der jetzt in London zu einer Preissenkung um gut 40 v. H. geführt hat, ist nur aus dem Konkurrenzkampf zwischen den früheren Partnern des Kartells „Mercurio Europeo“ zu erklären. Nach dem Zusammenschluß der beiden Haupterzeugerländer für Quecksilber, Spanien und Italien, zum Quecksilberkartell im Jahre 1928, hatte London seine Bedeutung als Welthandelsplatz für dieses Metall verloren und sich seitdem vergebens bemüht, die Macht des Kartells zu brechen, das in der Folgezeit die Preise diktierte und bis zu 80 v. H. der Weltgewinnung kontrollierte.

Schon lange verlautete, daß sich Spanien, das in Almaden die größten und gehaltreichsten Quecksilberminen der Welt besitzt und zweifellos der stärkere der beiden Partner ist, von den Bindungen des Kartells frei zu machen beabsichtige. Die Spannungen verstärkten sich, nachdem Italien entgegen den Verkaufsabreden, die für Spanien etwa 60, für Italien aber nur 40 v. H. der Produktion für den Absatz freigaben, 1949 rund 80 000 Flaschen zu einem weit unter dem offiziellen Kartellpreis von 70 $ je Flasche gegen ECA-Mittel an die amerikanische Regierung geliefert hatte. Demgegenüber mußte Spanien sich auf ganze 900 Flaschen beschränken, da die USA bei ihren Einkäufen die ERP-Länder bevorzugen. Und dies alles bei stärkstem Rückgang im Verbrauch, der sich beispielsweise in den USA von 63 900 Flaschen 1945 auf 37 000 Flaschen im Jahre 1949 verringerte.

In dieser Situation konnte es dem „Mercurio Europeo“ nicht gelingen, den Preisverfall aufzuhalten. So ging Quecksilber von über 200 $ je Flasche (zur Zeit des Kriegsbedarfs) Mitte 1946 unter die 100-$-Grenze, die für die amerikanischen Gruben noch soeben die Rentabilität sichert, und lag dann in New York mit 71–74 $ relativ fest. Demgegenüber senkte Spanien, um durch Preisermäßigungen den verlorengegangenen Markt wiederzugewinnen, den Preis auf 47 wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß in den USA auf Quecksilber ein Einfuhrzoll von 19 $ liegt. Mit diesem Preis können nun weder die italienischen noch die jugoslawischen oder mexikanischen Erzeuger konkurrieren.

Bleibt der kartellose Zustand, dann wird sich wohl bald ein Konkurrenzpreis herausbilden, zumal Spanien bereits durch seinem Agenten, die International Quicksilver Corporation, New York, hat verlauten lassen, daß es sich mit seiner Preispolitik den Verhältnissen am amerikanischen Markt anpassen W. H.