Wenn man von der Existenz eines „Büros für Sondereinfuhren“ hört, glaubt man, daß es sich hier um die Einfuhrorganisation eines führenden Importeurs oder eins bekannten internationalen Handelshauses handelt. Man wird kaum auf den Gedanken kommen, daß dieses tatsächlich bestehende „Büro für Sondereinfuhren“ ein Stück Bundesrepublik darstellt: es ist nämlich eine Einrichtung der Außenhandelsstelle des Verwaltungsamtes für Ernährung und Landwirtschaft und lebt in Frankfurt-Griesheim. Das „Büro“ blüht, wächst und gedeiht – wie man zu sagen pflegt –, obwohl viele Versuche gemacht worden sind, dieses Rudiment vergangener Zeiten auszumerzen. Legenden haben sich schon um das „Büro“ gebildet, und mit verbissener Kritik wird seit Jahresfrist nicht gespart...

Das „Büro“ existiert weiter und stellt sich sogar im Bundesanzeiger vom 25. März mit einer „Verlautbarung“ der Öffentlichkeit vor, denn es hat die „Aufgabe“, dafür zu sorgen, daß Genußmittel (Spezialitäten) zur Versorgung ausländischer Reisender eingeführt werden. Der Gemischte Einfuhrausschuß (der übrigens gar nicht „gemischt“, sondern nur noch mit Deutschen besetzt ist) stellt zu diesem Zweck wieder einmal 250 000 $ für die Einfuhr von Spezialitäten und Getränken zur Verfügung!

Die ausländischen Reisenden, die nach Deutschland kommen, um zu reisen, um Land und Leute kennenzulernen, um Geschäfte zu machen oder um deutsche Bäder aufzusuchen, sind offenbar bedauernswerte Subjekte ihres Einfalls. Das „Büro für Sondereinfuhren“ will ihnen daher helfen.

Die Tatsache der „Sondereinfuhren“ deutet bereits an, daß es auch Normaleinfuhren gibt. Das bestätigt auch der Bundesanzeiger, der in der gleichen Ausgabe eine weitere Verlautbarung für die Einfuhr von Qualitätsweinen, Kognak und Champagner veröffentlicht. Die Bedürfnisse der Ausländer – soweit solche Bedürfnisse tatsächlich vorhanden und nicht aus falscher Beurteilung der gesellschaftlichen Verhältnisse einfach vorausgesetzt sind – werden also aus den Normale ein fuhren durchaus gedeckt. Abgesehen von dieser Tatsache, ist Westdeutschland in der Lage, aus eigener Erzeugung gediegene Spezialitäten zu bieten, die ein Ausländerherz erfreuen können.

Wir brauchen also wirklich kein „Büro für Sondereinfuhren“. Wir wollen unseren ausländischen Gästen das geben, was Heimat und Handel ohne falsche Kulisse bieten können. Und zudem sollte die Frage der deutschen Einfuhr von handelspolitischen Notwendigkeiten und nicht von imaginären Bedürfnissen ausländischer Reisender bestimmt werden. –ann.