Von Zeit zu Zeit haben die Bürger der Sowjetunion und anderer kommunistischer Staaten das Vergnügen, aus ihren Zeitungen oder den Reden ihrer Parteichef zu erfahren, daß die Produktion dieser oder jener Güter seit dem Vorjahr um soundsoviel Prozent gestiegen sei. Da ihnen außer dem Notwendigsten zum Kaufen nichts angeboten wird, so können sie die Wahrheit dieser Behauptungen nicht kontrollieren. Und außerdem sagen ihnen die Verhältniszahlen nichts, da sie auch schon im Vorjahr nicht erfahren haben, wieviel von dieser und jener Sache produziert worden ist. Von solcher Praxis ist jetzt zum erstenmal der Bolschewiki Nummer 3, Georgi Malenkow, abgegangen. Er hat in einer seiner Wahlreden Zahlen erwähnt, die zwar auch wieder nur relativ waren, bei denen aber 1940 das Vergleichsjahr war, das letzte Jahr, dessen Produktionshöhe teils durch amtliche Veröffentlichungen, teils durch die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über Pack- und Leibhilfe bekanntgeworden war. Man kann daher, allerdings unter der Bedingung, daß Malenkow nicht geflunkert hat, aus seinen Mitteilungen und den Vergleichszahlen von 1940 auf die jetzige sowjetische Produktion einiger Grundprodukte schließen, die für die Friedenswirtschaft wie für die Rüstung gleich wichtig sind. Danach hätte im letzten Viertel 1949 die Sowjetunion 62,5 Millionen Tonnen Kohle, davon ein Drittel im Donezbecken, produziert. Dies entspricht einer Jahresproduktion von 250 Millionen Tonnen, ungefähr um 70 Millionen Tonnen weniger als die deutsche Vorkriegsproduktion. Die sowjetische Stahlproduktion 1949 würde sich auf annähernd 25 Millionen Tonnen stellen gegen 19 Millionen in Deutschland im Jahr 1936 und 30 Millionen am Höhepunkt der deutschen Kriegsproduktion. (Die USA produzieren, zur Zeit 90 Millionen Tonnen.) An elektrischem Strom sind, wie sich aus Malenkows Angaben errechnen läßt, 78,2 Milliarden Kilowattstunden und an Erdöl 36 Millionen Tonnen erzeugt worden. Verhältnismäßig schwach war die Produktion von Fahrzeugen mit nicht ganz 295 000. Eine Anzahl von wichtigen Konsumgütern haben noch nicht die Produktionshöhe von: 1940 wieder erreicht, während die erwähnten Zahlen für die Grundindustrien durchweg über denen von 1940 liegen. H. A.