R. K. N., Paris, Anfang April

Der letzte Bericht der Direktion des Monnetplanes stellt fest, daß Frankreich die größten Aufbauschwierigkeiten überwunden habe. In den drei letzten Jahren wurden insgesamt rund 1000 Mrd. ffr für die Modernisierung der französischen Produktion investiert. Da/on entfielen auf die verstaatlichten Betriebe 420,8 Mrd., auf die privaten und gemischten Unternehmungen 451,8 und auf die Gebiete außerhalb des Mutterlandes 127 Mrd. Von der Gesamtsumme wurden 536,8 Mrd. aus öffentlichen Mittels (vor allem aus deblockierten Gegenwertfonds des ERP), der Rest mittels Selbstfinanzierung, Bankkredite und Emissionen mobilisiert.

Ziel der französischen Wirtschaftspolitik ist die weitere Produktionserhöhung, da gegenwärtig das Defizit der Zahlungsbilanz mit dem Dollar- und Sterlingraum immer noch rund 400 Mill. $ beträgt. Für dieses Jahr sind Investitionen in der Höhe von 572,5 Mrd. geplant. Das Produktionsziel für 1952, das Endjahr der Marshall-Hilfe, lautet: 60 Mill. t Kohle, 12,5 Mill. t Stahl, 8 Mill. t Zement, 43 Mrd. kWh Strom, 40 000 Traktoren und 350 000 t Stickstoffdünger.

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Immer mehr entwickelt sich die französische Automobilproduktion zu einer der wichtigsten. Stützen des französischen Exportes. Mit rund 560 Betrieben und 800 000 direkt oder indirekt von ihnen beschäftigten Arbeitnehmern hat sie in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte zu verzeichnen gehabt und repräsentiert heute 7,5 v. H. des gesamten industriellen Produktionswertes und 9,15 v. H. des Gesamtexportes des Landes. Die wichtigsten Abnehmer der französischen Wagen sind die Benelux-Länder und die Schweiz, wo heute nur deutsche Wagen ernste Konkurrenten für die beliebten französischen Kleinwagentypen sind. Hat Frankreich im Jahre 1938 nach Holland nur 1500 Wagen und nach Belgien und Luxemburg zusammen 2000 exportiert, so sind es 1949 schon 14 000 und 16 000 gewesen. Während die Schweiz im letzten Vorkriegsjahr 2000 französische Wagen eingeführt hat, ist diese Zahl im Vorjahr auf 6000 gestiegen. So steht heute Frankreichs Automobilproduktion nach der amerikanischen und englischen an der dritten Stelle, und auch die Exporte nach Portugal, Schweden, Brasilien, Südafrika zeigen eine steil ansteigende Kurve, sind doch allein von 1948 bis 1949 die französischen Monatsexporte im Durchschnitt von 3688 Wagen auf 5792 oder um 57 v. H. gestiegen und zwischen 1938 und 1949 um nicht weniger als 469 v. H. Heute erklärt sich die französische Automobilindustrie für die nächsten drei Jahre vollbeschäftigt.