Ab 1. März ist der Fracht-Zahlungsverkehr zwischen Westdeutschland und allen benachbarten Ländern wieder auf friedensmäßigen Stand gebracht, insofern, als nun die Frachten nach allen Ländern durchgehend verrechnet werden. Dabei kann der Versender entweder die Fracht bis zum Zielbahnhof bezahlen oder diese kann beim Empfänger nachgenommen werden. Die Verrechnung erfolgt zwischen den Eisenbahnverwaltungen. Damit ist einer der wichtigsten Beschlüsse der Europäischen Gütertarifkonferenz in Montreux vom April letzten Jahres verwirklicht worden. Diese Konferenz hatte grundsätzlich die Wiederherstellung der normalen Verkehrsbeziehungen zwischen allen europäischen Ländern beschlossen. Zum großen Teil ist dieses Ziel auch in anderen Punkten bereits erreicht, so bei der Freigabe fast aller Übergangsbahnhöfe (wenngleich auch hier noch von deutscher Seite aus Wünsche anzumelden sind, so insbesondere die Freigabe von Arnheim im Verkehr zwischen Holland und dem Ruhrgebiet).

So wichtig die Freigabe der Frachtzahlungen ist, so kann sie aber auch nur als eine Grundlage für die völlige Normalisierung angesehen werden, Sie muß nämlich ergänzt werden durch einen weiteren Ausbau des Verbandstarifnetzes, besonders der Wechseltarife. Bisher konnte nur der deutsch-italienische Verbandstarif abgeschlossen werden. Andere Tarife sind zwar schon sehr weit ausgearbeitet, aber ihrer Verwirklichung steht hauptsächlich das Fehlen eines Handelsvertrages mit den entsprechenden Ländern entgegen durch den erst die Spitzen der Frachtabrechnungen zwischen den Bahnverwaltungen abgewickelt werden können. Soweit auch Durchgangsländer dabei beteiligt sind, sind die Schwierigkeiten noch größer, weil in diesem Falle alle beteiligten Länder untereinander Handelsvertragsabreden haben müssen. –

Nicht zuletzt in Auswirkungen der Beschlüsse von Montreux konnten auch die Transportzeiten im internationalen Güterverkehr wesentlich beschleunigt werden. Nachdem bereits in den letzten beiden Jahren große Fortschritte gemacht worden waren, die auf den meisten Strecken die reine Fahrzeit nahe an die Friedensverhältnisse heranbrachten, wird der Sommerfahrplan 1950 weitere wesentliche Beschleunigungen bringen.

Insbesondere sind Gemeinschaftsbahnhöfe an den Grenzen wieder anzustreben, d. h. Bahnhöfe, auf jenen sowohl die deutschen Dienststellen als auch die Dienststellen der benachbarten Länder vertreten sind, so daß die Grenzabfertigung in einen Gange durchgeführt werden kann. Diese Gemeinschaftsbahnhöfe sind bereits 1933 von deutscher Seite aufgelöst worden. Seitdem müssen die Güter einer doppelten Abfertigung unterzogen werden. Dies bedeutete bisher erhebliche Zeitverluste, was sich vor allem bei den leicht verderblichen Gütern erschwerend auswirkt. Da heut: auch die Verbandstarife fehlen, wird hierdurch eine spürbare Frachtverteuerung hervorgerufen, denn die meistens nur wenige Kilometer betragende Strecke zwischen den beiden Grenzbahnhöfen wird in der Fracht besonders berechnet und unterliegt daher den hohen Frachtsätzen der geringen Entfernungen. An den Grenzen des heutigen Bundesgebietes bestanden früher etwa 30 solcher Gemeinschaftsbahnhöfe. Mit Österreich ist insofern eine Zwischenlösung gefunden worden, als auf den Übergangsbahnhöfen Salzburg und Kufstein die österreichischen Dienststellen gleichzeitig die Aufgaben der deutschen Dienststellen mit erledigen, so daß diesseits der Grenze eine Neubehandlung nicht mehr notwendig ist. An anderen Grenzübergängen bereiten deutsche Eisenbahner auf dem benachbarten Greizbahnhof die Weiterabfertigung.

Zu den Mängeln des internationalen Güterverkehr durch Westdeutschland gehört auch noch das Verbot der Reexpedition durchlaufender Güter auf deutschen Stationen. Die Nachteile dieses Verbotes machen sich vor allen Dingen im großen internationalen Verkehr mit leicht verderblichen Gütern, also besonders im Lebensmittelverkehr zwischen Süd- und Nordeuropa (auch Südost- und Westeuropa) bemerkbar. Obwoll diese Güter über deutsche Städte laufen, in denen eine Überprüfung der Ware und auch noch eine Verwertung zu tragbaren Bedingungen möglich ist, müssen sie heute unbekümmert um ihr Schicksal bis zur anderen Landesgrenze laufen, wo dann der Verderb u. U. schon so weit fortgeschritten ist, daß eine Verwertung nicht mehr möglich ist. –m.