Ganz so einheitlich positiv, wie Frankfurt kürzlich beurteilt wurde, lauten die Berichte über die Ergebnisse der ersten in Hannover-Laatzen abgehaltenen Industriemesse nicht, Aber immerhin: die meisten Aussteller, wie auch die meisten Besucher, sind zufrieden, und die Messeleitung darf mit Recht ein reichliches Maß an Anerkennung für sich buchen. Was organisatorisch zu leisten war, hat vorbildlich geklappt: angefangen von dem „Bureau de reception“ am Hauptbahnhof bis zu den Verkehrsmöglichkeiten, der Gliederung in den Hallen, der Anordnung der kleinen Verkaufsstände, die sich durchaus nicht „jahrmarktsbudenmäßig“ in den Vordergrund drängten. Und vor allem hat der hohe Eintrittspreis (6 DM für die Tageskarte) im erwünschten Sinne gewirkt, prohibitiv also, so daß die Massen der „Sehleute“ ausgeschlossen blieben, und an Besuchern nur solche vertreten waren, die um des Geschäftes willen kamen.

Für die Mehrzahl der vertretenen Branchen ergab sich ein relativ geschlossenes Bild; an Ausstellern war, übersichtlich vereinigt, wirklich alles vertreten, was man mit Recht anzutreffen erwartete. Das gilt vor allem für die in ihrem Gesamtbild sehr eindrucksvollen Hallen IV (Textil) und I (Porzellan, Glas, Keramik), auch noch für die kleinere Halle V (Schmuck, Gold- und Silberwaren). Allgemein erfreulich war auch das hohe Niveau an Geschmack und Qualität. – Nicht ganz so geschlossen war das Bild in Halle III, wo Haus- und Küchengeräte überwogen, während die anderen Branchen, die dort auch noch untergebracht waren (Sportsachen, Möbel, Korbwaren, Kinderwagen, Spielzeug), kein ausreichend repräsentatives Sortiment zeigten. Vielleicht muß man sich doch überlegen, ob im Zuge der ordnenden Rationalisierung unseres Messewesens nicht eben doch gewisse Branchen, die ihre Sondermessen abhalten, von den „allgemeinen“ Industrie – Mustermessen auszuschalten wären, ©der, besser gesagt, von sich aus auf eine Teilnahme dort verzichten sollten (da es ja für jede Messeleitung schwer sein dürfte, von sich aus eine strenge Auswahl nach den vornehmlich „gewünschten“ Fachgebieten vorzunehmen). – Nicht ganz so „lebendig“, wie bei den bereits genannten Branchen, schien dem Besucher (zum mindersten anfangs) das Bild in der Halle VI (unten: Lederwaren, auch Schuhe; oben: Galanterie- und Bijouteriewaren, Kosmetika) und VII (Bürobedarf, Verpackungs- und Werbemittel). – Eine Sache ganz für sich war schließlich die Halle II mit ihren Auslandsständen, wo Jugoslawien eine Gesamtausstellung mit viel Farbigkeit zeigte, während aus den benachbarten Ländern (speziell die Schweiz, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, auch Irland) eine Reihe von Einzelfirmen ausstellten, reges Interesse fanden und wohl auch fast sämtlich mit guten Ordres nach Hause gefahren sein mögen, – Interessant war noch, daß bei den deutschen Ausstellern eine ganze Reihe von verlagerten Firmen (zum Teil unter den bekannten Namen, zum Teil als Neugründungen) auftraten, deren Kollektionen in jeder Beziehung den Vergleich mit denen der alteingesessenen Häuser zu bestehen vermochten,

Wie es nun in Hannover-Laatzen einmal weitergehen wird, im nächsten Jahre, wenn die mit einigen Hoffnungen erwartete (und auf wesentlich erweitertem Ausstellungsraum abzuhaltende) Technische Messe demnächst abgehalten sein wird – darauf kann man gespannt sein. Es war die Rede davon, daß die ausstellende Textilindustrie aus Saisongründen eine zeitliche Vorverlegung der Messe um gut vier Wochen gewünscht (oder gefordert) habe. Diesem Wunsch soll entsprochen werden – was also bedeuten würde, daß man (zeitlich) in den traditionellen Terminbereich der Leipziger Messe hineinkäme ... Ob das richtig oder auch nur wünschenswert wäre, läßt sich schwer sagen; sicher ist soviel, daß sich, vielleicht auf einen Anstoß hin, der vom Bundesverband der Deutschen Industrie zu erwarten sein mag, Hannover, Köln und Frankfurt über Termine und vielleicht auch über Fachgebiete demnächst einigen müßten, E. T.