J. B.,Wien, im April

Westdeutschland hat 1949 für knapp eine Viertelmilliarde Schilling Waren nach Österreich geliefert: Maschinen, Apparate, Chemikalien usw. Die österreichischen Gegenlieferungen waren um etwa ein Zehntel höher und umfaßten Magnesit, feuerfeste Ziegel, Kalkammonsalpeter, Papier, Hutstumpen und eine große Sonderlieferung von Waggons. Die gegenseitigen Lieferungen von elektrischem Strom im alten Verbundnetz bringen ein weiteres Plus für Österreich. Der kommerzielle Außenhandel wäre also für Österreich leicht aktiv – wenn dies nicht eine Torsobilanz wäre; denn sie enthält nicht die deutschen Kohlenlieferungen, die allein mit einer halben Milliarde Schilling mehr als doppelt so groß waren wie alle anderen Warenlieferungen zusammen. Diese Kohle aber wird bis auf weiteres durch Ziehungsrechte im Marshall-Plan bezahlt, praktisch also mit Verrechnungsdollars.

Österreich wird die deutsche Kohle aber in den bisherigen – Mengen noch brauchen, wenn der Marshall-Plan kleiner wird oder die Hilfe der USA (nach 1952?) einmal ganz ausbleibt. Die Kohlenlieferungen mußten ja sogleich nach Kriegsende wiederaufgenommen werden, wie sehr man sich auch damals in Wien und bei den Alliierten um eine grundsätzliche wirtschaftliche Abschaltung vom „Reich“ bemüht hatte – aus politischen Ressentiments.

Es ergibt sich für Österreich jetzt die Notwendigkeit, die Ausfuhren nach Deutschland rasch und stark zu steigern und sich weiter um deutsche Gäste für seinen Fremdenverkehr zu bemühen, um zu, einem Bilanzausgleich aus eigener Kraft – auf lange Sicht – zu kommen. In diesem Sinne sind die neuerlichen Verhandlungen zwischen Bonn und Wien, die augenblicklich in Frankfurt (Main) stattfinden, zu werten. Beginnen will und muß man sofort, denn von heute auf morgen ist später eine solche Erhöhung der österreichischen Ausfuhr nicht möglich. Es geht nicht nur um die Deckung der Kohlenbezüge (wenn dies auch die primäre Frage ist), sondern auch darum, daß man mehr Maschinen, mehr Farben und mehr Feinmechanik aus Deutschland braucht, als man bisher kaufen konnte.

Wir haben hier die Frage nicht nur der größeren Anschaulichkeit wegen rein bilateral betrachtet. Es erscheint uns nach objektiver Prüfung der österreichischen Handels- und Zahlungsbilanz der Tauschausgleich mit Deutschland noch immer leichter möglich als anderswo. Dabei sind sowohl alle unmittelbaren Möglichkeiten (höhere österreichische Kohlenbezüge aus Polen oder der Tschechoslowakei) wie auch die mittelbaren Möglichkeiten (in einem künftigen europäischen Clearing) bedacht worden. Wir sind hier sogar mit dem „Economist“ einmal einer Meinung, der die Intensivierung des Warenaustausches zwischen Westdeutschland und Österreich für unbedingt notwendig hält – „wenn Österreich sich selbst erhalten soll“.

H. L., Wien, Anfang April

Die österreichischen Bierbrauer haben Sorgen. Sie konnten ihre Kapazität im Braujahr 1948/49 nur zu 36 v. H. ausnützen, hätten aber 3,5 Mill. hl Bier mehr erzeugen können, wenn sich dafür ausländische Absatzgebiete finden ließen. Bisher sind jedoch auf die vielen Probesendungen nach Italien, in den Nahen Osten und nach Westafrika keine Aufträge erfolgt. Auf den meisten Märkten haben bereits deutsche Exporteure vorgearbeitet und vor allem dem bayrischen Bier einen beträchtlichen „Vorsprung“ vor der österreichischen Konkurrenz gesichert. Voll Neid nahm man in Österreich zur Kenntnis, daß der westdeutsche Bierexport 1949 fast 1,5 Mill. $ eingebracht hatte ...