Professor Noack, Gründer und Leiter des Nauheimer Kreises, hat von der SED, die er hartnäckig und mit der Blindheit des Verliebten umwarb, einen sehr deutlichen Korb erhalten. Das passiert Liebenden, und viele vom ihnen pflegen bitter zu werden, weil sie aus den Wolken fallen bei dem Gedanken, daß es überhaupt möglich sei, einen so vortrefflichen Liebhaber abzuweisen. So auch dieser: Professor Noack möchte, so hat er gesagt, „das Gespräch nicht fortsetzen“. In einem Interview mit dem „Kurier“ hat er voller Enttäuschung erklärt, daß sich die SED und die Nationale Front der Sowjetzone nicht an dem Versuch beteiligt hätten, eine Verständigung zwischen den Westmächten und der Sowjetunion herbeizuführen.

Nun, diese Enttäuschung hätte er sich sparen können, wenn er einmal – Historiker, der er ist – klar politisch gedacht und die historische Entscheidung, vor die wir gestellt sind, begriffen hätte. Sein Programm war in Nebel gehüllt, durch den nur persönliche Eitelkeit hindurchschimmerte. Das sind gefährliche Erscheinungen, die bei der Jugend bereits Verwirrung gestiftet haben. Wir wollen ihn jetzt, nur weil er im Osten kein Glück hatte, im Westen keineswegs begrüßen. Er ist ein ganz schlechter Politiker, er gehört zu jenen, die messerscharf schließen, daß nicht sein kann, was nicht sein darf.

Tgl.