Kiel, im April

Die Lyrik Josef Weinhebers mit ihrer Formenstrenge, ihrem breiten Empfindungsstrom, ihrer in sich ruhenden Aussage mit Musik zu umkleiden, scheint kein geringes Wagnis. Karl Howe, Chormeister der städtischen Bühnen Kiel, hat diesen Mut gehabt. Er nahm den Jahreskranz des „Kalenderbuches für Stadt- und Landleut“; wählte aus seinen zwölf mal sieben Stücken acht- und zwanzig aus und verteilte sie in der Form einer Kantate auf vier Soli, großen Chor und Orchester. Die Basis seiner Musik ist die Tonalität, melodisch der Bereich des geweiteten Volksliedes. Aber es finden sich auch klare Vorstöße in eine freie, persönlich gebundene Modernität. Der „Kelterspruch“ wird zum Höhepunkt: dicht, gerafft, mit der Stoßkraft. eines ostinato-Motivs

vorwärtsgetrieben, durch prägnante rhythmische Gegenstimmen im Orchester gesteigert. Ethische und musikantische Impulse halten sich die Waage in diesem Kantatenwerk, das auch als Zeugnis schöpferischer Potenz den Beifall verdient, der ihm bei der Kieler Uraufführung durch den Komponisten selbst mit dem Jugendchor Margarethe Howes und leistungsfähigen Solisten (an der Spitze Ilse Wittenberg) zuteil wurde. H. St.