Über die Wirkung der bisher bekannten Atombombenist viel geschrieben worden. Die sichere Vernichtung bei einem Atombombenangriff wurde bisher zumeist als unabwendbares Schicksal hingenommen. Unter dem Eindruck der Nachrichten von sowjetischen Atomwaffen wird jetzt aber in den USA erstmalig die Zivilbevölkerung nicht nur über die wahren Gefahren der Atombombe aufgeklärt, sondern es werden ihr zugleich auch die möglichen Schutzmittel in die Hand gegeben. Die Aera des Atomluftschutzes hat in den USA begonnen.

Bei einer Atombombenexplosion sind drei Faktoren zu berücksichtigen: die Sprengwirkung, die Wärmeentwicklung und die Radioaktivität. Sprengwirkung und Wärmeentwicklung sind zwar gegenüber den normalen Spreng- und Brandbomben vervielfacht, aber nichts grundsätzlich Neues. Anders dagegen die Radioaktivität. Ihr haftet der Schauer des Unheimlichen und Unbekannten an.

Die Zone der Hauptgefährdung liegt im Umkreis von etwa einem bis anderthalb Kilometer vom sogenannten „Nullpunkt“. Der Nullpunkt ist dabei die Stelle des Geländes, die senkrecht unter dem Explosionspunkt der Bombe liegt. Denn meist werden Atombomben in der Luft Explodieren, da dann ihre mechanische Wirkung am größten ist. Wer sich in dieser Zone befindet, werfe sich platt auf den Boden; nicht umherblicken, da die ungeheure Lichtentwicklung der detonierenden Bombe kurzzeitige Blindheit hervorrufen kann. Gegen die Hitzestrahlung’ schützen am besten helle Kleidungsstücke, die an den Hand- und Fußgelenken zugeknöpft werden können. Eine Entzündungsgefahr für leicht, entlammbare Gegenstände besteht noch im Umkreis von mehr als 3,5 Kilometer vom Nullpunkt. Gegenmaßnahmen: Entrümpelung der Häuser und ihrer Umgebung.

Die Radioaktivität birgt zwei Gefahrenquellen: Die kurzzeitige Strahlung, dieim Augenblick der Detonation frei wird und nur während der Extension wirksam ist und abklingende Strahlung, die aus unsichtbaren, feinsten radioaktiven Zerfallsprodukten oder un-Gefallenen Teilchen der Bombe besteht. Ihre Wirksamkeit kann einige Sekunden, aber auch mehrere Jahre betragen, je nach der chemischen Struktur.

Die kurzzeitige Explosionsstrahlung kann lediglich durch Stahlplatten, Beton oder Erde wirksam abgeschirmt werden. In Nähe des Nullpunktes sind erforderlich etwa 30 cm dicke Stahlplatten, 90 cm starke Beton wände oder 1,5 m dicke Erdschichten; in 1 km Abstand nur noch 13 cm Stahl, 35 cm Beton und 65 cm Erde.

Die abklingende Strahlung ist am stärksten bei Bomben, die im Wasser detonieren, da durch des Wasserdunst die Zerfallsprodukte über große Flächen verteilt werden. Mit einer beträchtlichen Verseuchung eines 18 bis 20 Quadratkilometer Umfassenden Gebietes ist dann zu rechnen. Geringer ist die Verseuchung bei Explosionen in Bodennähe, am schwächsten bei Detonationen in größerer Höhe. Das Maximum der Radioaktivität deckt sich danach glücklicherweise nicht mit der größten mechanischen Wirkung.

Das Vorhandensein und die Stärke der Radioaktivität kann praktisch nur mit Hilfe des sogen. „Geigerzählers“ festgestellt werden. Mit seiner Hilfe sind zu prüfen: Verkehrswege, Häuser. Wohnungen, Wasser, Lebensmittel, Kleidung und die Menschen selbst, insbesondere das Haar, das leicht radioaktive Stoffe annimmt. Stark radioaktive Kleidung muß verbrannt werden, Menschen müssen ausgiebigst baden, um die strahlenden Teilchen zu verringern. Erschwerend ist der Umstand, daß gesundheitliche Schädigungen nicht sofort erkannt werden, sondern erst nach einer gewissen Latenzzeit.

Zweifelsohne stellt also die Atombombe für die Bevölkerung im Kriegsfall eine ungeheure Erhöhung der Gefahrenmomente dar. Jedoch ist bei genügender Aufklärung ein gewisser Schutz gegen sie durchaus möglich – allerdings nur solange, als sich ihre Wirkung in den bisher bekamen Grenzen hält. P. W.