Bayerische Wirte haben laut und deutlich ihrem Unwillen über „das Preisdiktat des Bundeswirtschaftsministeriums“ Luft gemacht und schwere Vorwürfe gegen das bayerische Braugewerbe erhoben. Nach den Befürchtungen der Wirte soll ihr Schanknutzen, der sich bei dem gegenwärtigen Preis von 84 Pf und 86 Pf je Liter auf 24 Pf beläuft, auf 18 Pf vermindert werden. Wieder einmal steht damit das Bier und sein Preis im Mittelpunkt der Diskussionen in Bayern.

Schon immer war in Bayern der Fiskus bemüht, dieses Nahrungsmittel Bier zu einer rentablen Einnahmequelle zu machen. Der Bierkonsum hat bisher nicht die frühere Höhe erreicht. Diese Tatsache ist vor allem auf den jetzigen höheren Preis (1938: 1 Liter 48 bis 50 Pf) zurückzuführen, der sich wiederum aus den überhöhten Steuern erklärt. Erfreulicherweise hat sich Bundesfinanzminister Schäffer entschlossen, die Biersteuer von 24 DM auf 12 DM je hl zu senken, allerdings unter der Bedingung, daß auch Produzenten und Verteiler eine entsprechende Ermäßigung gewähren. Die Brauer sind dazu bereit. Die Wirte, die einen Preisnachlaß von 7 DM für dunkles und 5 DM für helles Bier gestatten sollen, sind der Ansicht, daß der Verzicht der Brauereien auf 3 DM zu gering ist.

Man wird den Bierpreis in Bayern zweifellos nach anderen Erfordernissen gestalten müssen als in Norddeutschland, wo bei höherem Schanknutzen der Wirte bedeutend weniger Bier als in Bayern getrunken wird. Um zu einer objektiven Grundlage des Bierpreises zu kommen, ist es notwendig, die Kostenseite der Brauereien zu betrachten. Im letzten Braujahr mußten für Gerste und insbesondere für Hopfen geradezu sensationelle Preise bezahlt werden. Der Hopfenpreis von 2000 DM je Ztr. ist bei weitem der höchste, der jemals in der Geschichte der deutschen Hopfenwirtschaft erreicht wurde. Einer geschätzten Ernte von 120 000 bis 125 000 Zentner im Bundesgebiet standen etwa 60 000 Zentner Inlandsbedarf und die gleiche Menge für den Export gegenüber. Dennoch setzte eine überraschende Hausse ein, deren Gründe ungenügende Informationen über die Weltmarktverhältnisse, die Pfundabwertung, zurückschlagende Ernteergebnisse in wichtigen Ländern, internationale Spekulationen, geringe deutsche Althopfenvorräte und auch die steigende Nachfrage des deutschen Braugewerbes gewesen sein mögen. Trotz dieser Gründe muß das Ansteigen des Hopfenpreises von 300 auf 2000 DM als einmalig bezeichnet werden.

Zu diesen Verteuerungen kamen noch die erhöhten Preise für Kohle, Eisen, Strom, Benzin, Faßholz, Flaschen, Korken und die zweimaligen Lohnerhöhungen. Da die Betriebsausgaben, die dem Bierpreis von 48 DM je hl zugrunde lagen, vom Ertragsstandpunkt der Brauereien aus nicht mehr zu rechtfertigen waren, dachte man auf Seiten der Produzenten daran, den Bierpreis von 48 DM auf 52,30 DM zu erhöhen. Sie ließen jedoch davon ab, als man sich entschloß, die Biersteuer zu senken und gewährten zusätzlich noch einen Preisnachlaß von 3 DM. Ohne Zweifel bedeutet das Preisopfer von rund 7,50 DM für die Brauereien, die dadurch eine Belebung des Umsatzes und damit eine bessere Ausnutzung der Kapazität erwarten, doch ein gewisses Risiko.

Zu einem wesentlichen Teil hängt die wirtschaftliche Lage in Bayern von dem Schicksal der Brauwirtschaft ab. Im Interesse der gesamten Wirtschaft des Landes ist es daher nur von Vorteil, wenn die Bierpreisgestaltung nicht von einem einseitigen Interessentenstandpunkt aus bestimmt wird. Brauer, Wirte und nicht zuletzt der Staat sollten daher an einem möglichst niedrigen Preis ein ebensolches Interesse haben wie die Konsumenten. hbd.