E. G. London, im April

Gegen heftige amerikanische Proteste hat England seine Absicht verwirklicht, 60 Mill. $ durch Kürzung der Öleinfuhren aus Dollargebieten einzusparen, nachdem es sich überzeugt hat, daß es seinen Bedarf in Sterlinggebieten decken kann. Diese 60 Mill. $ sind knapp ein Zehntel aller britischen Dollaraufwendungen für Öl oder knapp ein Sechstel der bisher an amerikanische Ölkonzerne gezahlten Dollar. Die Verhandlungen gehen weiter. Bis zu ihrem „erwarteten (für Amerika) positiven Abschluß“ sind alle Erwägungen über weitere ERP-Zuwendungen für britische Ölraffinerien in England und anderwärts auf Eis gelegt. (Bereits bewilligte Zahlungen laufen weiter.)

Man ist sich dabei in England vber zweierlei im klaren: über die offizielle amerikanische Rückendeckung für erfolgversprechende britische Dollareinsparungen, auch wenn sie amerikanischen Teilinteressen entgegenlaufen müssen, und über einen sehr viel umfassenderen unsichtbaren Hintergrund der bisher, sichtbar gewordenen amerikanischen Einspruchsargumente. Die britischen Dollarkürzungen für USA-Öl mögen im Augenblick von den amerikanischen Konzernen – nach einem warmen Winter und den daraus in den USA entstandenen Absatzschwierigkeiten für Heizöl – als recht unangenehm empfunden werden. Sie wirken jedoch nur wie ein Nadelstich im Vergleich zu den Keulenschlägen, die in der Zukunft von der amerikanischen Ölwirtschaft von der Entwicklung des Sterling-Öls befürchtet werden, Keulenschlägen, denen man nur zu gern schon jetzt vorbeugen möchte.

Was ist nun „Sterling-Öl“? Man kann, nicht einfach antworten, es sei von britischen Gesellschaften gefördertes, raffiniertes und vertriebenes Öl. Denn in Venezuela wie im Vorderen Orient entstehen Dollarkosten bei britisch kontrollierter Ölproduktion! Der Iran beispielsweise hat sich im Herbst 1949 wohlweislich aus der Abwertungswelle herausgehalten, um seine Forderungen an die Anglo Iranian Oil Co. in harter Währung einkassieren zu können. Diese Dollaraufwendungen für britisches Öl erklären den Passivsaldo von 250 Mill. $ für „Sterling-Öl“. Das ist ein Nettosaldo, die britischen Dollarerlöse für Sterling-Öl sind also bereits abgezogen. (Die arabisch-amerikanische Aramco will jetzt in „weicher“ Währung arbeitende Fachkräfte einstellen, um sich den Sterlingmarkt zu erhalten.)

Ein Blick auf den Vorderen Orient läßt ahnen, warum amerikanische Konzerne mit ihren anspruchsvollen Erschließungsplänen so hartnäckig um die europäischen Absatzmärkte einschließlich des britischen kämpfen: „Economist“ hat kürzlich für die sieben Ölquellen des Nahen Ostens die folgenden Förderungsziffern (in Mill. t Rohöl) gegenübergestellt:

1946 1951 1956

britische Gesellschaften 23,3 54,5 80,4