Als Ende März die Import- und Exportabteilung der Bank von Brasilien etwas überraschend und auch unmotiviert alle Kompensationsgeschäfte zwischen Brasilien und Westdeutschland untersagte, ahnte man in Rio de Janeiro nicht, welchen Entrüstungssturm diese Maßnahme im eigenen Lande auslösen würde. Aus allen Gebieten kamen Proteste über Protesten Sie sprachen sich unverblümt gegen diese unbegreifliche Maßnahme aus, die den gesamten brasilianischen Handelsverkehr, mit Deutschland in Gefahr zu bringen drohte.

Die Reaktion auf diese eindeutige Haltung der brasilianischen Kaufleute ließ nicht Lange auf sich warten: Anfang April gab die Bank von Brasilien bekannt, daß sie die Registrierung von Kompensationsgeschäften zwischen Brasilien und Westdeutschland wieder bearbeitet. Damit wäre der Schaden erst einmal behoben Allerdings geben sich die brasilianischen Wirtschaftskreise damit nicht ganz zufrieden; sie hätten gern die Gründe für die etwas brüske Maßnahme der Bank gewußt. Und wir müssen gestehen, daß auch wir sie einmal kenhen möchten. Denn schließlich steht der Vorfall doch stark im Gegensatz zu den intensiven Bemühungen Brasiliens, die künftigen Handelsmöglichkeiten mit Westdeutschland durch einen verhältnismäßig günstigen Handelsvertrag zu. klären.

Auch in Westdeutschland hält man die derzeitigen Kompensationsgeschäfte nicht für eine ausgesprochen glückliche Lösung. • In ihrem Rahmen lieferte Brasilien bisher Tabak, Sisal, Kakao, Butter und auch Holz, um dafür Traktoren, optische und chirurgische Instrumente, Anilinfarben und Chemikalien aus Westdeutschland zu beziehen. Für diese Dinge besteht in Brasilien nach wie vor ein guter Markt, desgleichen für Maschinen und zahnärztliche Instrumente. Man möchte dafür allerdings bevorzugt Kaffee und Baumwolle an Westdeutschland liefern. ww.