Die in unserer Ausgabe vom 16. März 1950 unter dem Thema „Fakten zur Treibstoff-Freigabe“ begonnene Betrachtung von C. Böhlhoff über die Treibstofflage wird fortgesetzt.

Wenn man aus den geschilderten Vorstellungen über unseren Kraftstoffbedarf und aus den behandelten Plänen über die Mindestdeckung diese; Bedarfes auf die Marktversorgung schließen will, muß man sich bei dem Überwiegen der Importe zunächst Gedanken machen, wie die beabsichtigten Einfuhren von fertigen Kraftstoffen und Rohöl bezahlt werden können. In den Meldungen über steigende Importe wird dieser Punkt weder ziffernmäßig behandelt noch grundsätzlich angesprochen, so daß man bei der Vertraulichkeit der Planungen praktisch auf allgemeine Überlegungen angewiesen ist.

De; Devisenbedarf für Kraftstoffe und Rohöl hängt ab von den je nach der internationalen Marktlage schwankenden Weltmarktpreisen für Ware, Frachten und Nebenkosten auf der einen und von dem Devisenanfall aus dem Re-Export überschüssiger Mineralöl-Verarbeitungsprodukte sowie aus der sonstigen Warenausfuhr auf der anderen Seite. Wenn man für eine überschlägliche Errechnung des Devisenbedarfes bei einer Preisstellung je Tonne cif deutschem Einfuhrhafen für Benzin 40 bis 43 $, für Dieselöl 30 bis 31 und für Rohöl 20 bis 22 $ ansetzt, hatten die Importe des Jahres 1949 mit etwa 260 000 t Benzin, 580 000 t Dieselöl und 900 000 t Rohöl einen Devisenwert von rund 49 Mill. Die für das Fiskaljahr 1950/51 geplanten Importe (630 000 t Benzin, 600 000 t Dieselöl und 1 370 000 t Rohöl) werden etwa 76 Mill. $ kosten. Dieser Betrag wird 1951/52 bei 623 000 t Benzin, 419 000 t Dieselöl und 2 044 000 t Rohöl wohl auf 85 Mill. $ steigen. Er wird 1952/53 als Auswirkung des „Rohölplanes“, also bei alleiniger Einfuhr von 3 627 000 t Rohöl, möglicherweise auf 79 Mill. $ fallen, sofern dann nicht andere Preise gelten.

Zweifellos wird die Beschränkung der Einfuhr auf Rohöl und seine Weiterverarbeitung im Lande, wie es ab 1952 vorgesehen ist, bei besserer Versorgung eine erhebliche Devisenersparnis bringen. Sie wird von der VfW unter Mitbewenung des deutschen Rohöls auf 48 Mill. $ im Jahr geschätzt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß vor Eintritt dieser Einsparung 76 bzw. 85 Mill. $ und nachher immer noch etwa 79 Mill. $ im Jahr aufgebracht werden müssen.

Nun, unsere Kraftstoff- und Rohölimporte wurden bisher über GARIOA oder ERP abgewickelt, Wenn die Informationen richtig sind, sollte ab 1. April 1950 die Kraftstoffeinfuhr von den Besatzungsmächten in deutsche Hände übergegangen sein. Das würde bedeuten, daß wir im Rahmen festgelegter Grenzen über die Kraftstoffeinfuhren jetzt wohl selbst bestimmen können, aber diese Einfuhren nun auch aus eigenen Mitteln bezahlen müssen.

Da die Kraftstoffimporte einstweilen vornehmlich aus dem Dollarbereich stammen, wird die „Dollarlücke“ gewiß nicht kleiner. Um diese Lücke beurteilen zu können, muß man sich vergegenwärtigen, daß (berechnet auf Basis des IV. Quartals 1949) rund einer Mrd. $-Importe nur etwa 90 Mill. $-Exporte gegenüberstehen. Sicherlich werden zukünftige Handelsverträge und eine allseitige Liberalisierung unsere und die europäische Devisensituation erleichtern können. Aber man muß bedenken, daß Rohöl letztlich immer im Dollar-, Pfund- oder Rubelbereich liegen wird. Die von Deutschland zwischen 1919 und 1939 gewählte Lösung, den Kraftstoffimport über den Bau von Tankschiffen oder Tankanlagen zu kompensieren, wäre auch heute ideal, wenn die Fesseln für den Schiffbau fielen.

Re-Export?