Görings Goldschatz gefunden – so fing die Story an, die nicht als Aprilscherz gemeint, war und sich dennoch so entwickelte. Man denke doch, daß Göring Brillanten sogar an seinen Pantoffeln trug! Wie hoch mußten danach die Werte sein, die er auf dem Gelände seiner bayrischen Privatburg bei Weiden vergraben hatte. Mindestens vier Millionen DM wert, sagten die Amerikaner, als sie die ersten Kisten fanden und weitere zu finden hofften. Preßlufthämmer und Scheinwerfer! Taghell war die Nacht belichtet, und zwei MPs beschützten die Kisten mit dem aufgefundenen „Goldschatz“, indem sie höchsteigengesäßig darauf saßen.

Göring galt bekanntlich für einen Kriegshelden. Interessant zu erfahren, was so ein Mann vergraben hatte: Vor allem Armleuchter, doch nicht dies allein, sondern sogar eine silberne Badewanne, die den Amerikanern auf den ersten Blick besonders kostbar erscheinen mußte, denn sie war nur 60 cm lang und 20 cm hoch – ein Wunder, wenn man bedenkt, welche Maße Göring persönlich besaß. Ferner hatte Göring Wein, Sekt und Likör vergraben, insgesamt 354 Flaschen. Und auch dieser Schatz muß den Amerikanern auf den ersten Schluck wohl kostbar vorgekommen sein, denn woher sonst die Angabe des Viermillionenwertes? Bis sie offensichtlich auf den zweiten Schluck bemerkten, daß die Weine sauer geworden waren, wie der „Goldschatz“ selbst, der sich unter ihren Händen in Zinn, Kupfer und – Goldtröpfchen verwandelt hatte.

Das Ende der modernen Goldgräber-Saga aber war die Erkenntnis, daß Görings Armleuchter und Flaschen nicht entfernt die Mühe gelohnt hatten und daß die Unkosten wieder einmal – wie so oft in der Besatzungsgeschichte – höher waren als das Resultat. Müßige Frage, wer sich mehr blamierte: Göring, die Armleuchter, die Goldtröpfchen, die Amerikaner oder alle miteinander... M.