Die finnische, schwedische, norwegische und dänische komponierende Jugend fand sich zu einem zeitgenössischen „Nordischen Musikfest“ in Stockholm zusammen. Wagemutige Könnerschaft von Phantasie und Inspiration, noch weniger von Phantasie und Inspirationen, noch weniger von folkloristischen Neigungen getrieben, kennzeichnete hier ein jugendliches Musikantentum, das eine weltmännische Klangsprache bevorzugt und sich wohl altmodisch vorkäme, wenn es sich „nordisch“ gebärdete. Am ehesten ist Landschaftliches noch bei dem Larsson-Schüler Bo Linde (Sonatine für Cello und Piano), einem Schweden, und bei dem Norweger Oystein Sommerfelds („Kleiner Satz für Violine und Piano“) zu spüren, wenn man nicht noch den Kilpinen-Schüler Seppo Nummi hinzuzählt, der die große Tradition des finnischen Liedes wahrt und in seinen „Drei Gesängen“ ein Zeugnis aparter Liedkunst ablegt. Acht Dänen, vier Norweger, elf Schweden, fünf Finnen erweisen sich nicht so sehr als typische Repräsentanten ihrer Nationen wie als kecke Musiker schlechthin, die auszogen, einen eigenen Stil zu suchen. Der Schwede Gunno Södersten mit seinem „Kammerkonzert für Flöte, Oboe und Streichorchester“, der Norweger Finn Olaf Arnestad mit seiner „Conversation für Piano und Orchester“, der Däne Hans Erik Deckert, ein allzu gläubiger Kurt-Thomas-Schüler, dessen „Aus tiefer Not“ echte und ehrliche Kirchenmusik bietet, legten mit achtbaren Leistungen Proben ihrer entwicklungsfähigen Begabung ab.

Im ganzen erhielt man den Eindruck verheißungsvoller Ansätze formender Individualität, aber überwuchert von oft erschütternd unbefangenem Eklektizismus. Die Furcht vor nationaler Stilgebundenheit scheint sich hier nicht in allen Fällen wahrhaft schöpferisch auszuwirken, Der eigentliche Sieg in diesem Wettbewerb fiel zweifellos der finnischen Liedkunst zu.

Gerhard Krause