Von Vollrath Frhr. v. Maltzan,

Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium

In den nächsten Monaten werden deutsche Generalkonsulate in New York, London und Paris eröffnet werden. Diesen ersten drei Auslandsbehörden dürften rasch weitere folgen, Sie sollen zunächst vorwiegend in denjenigen Ländern errichtet werden, mit denen die Bundesrepublik bereits in einem intensiveren Warenaustausch steht oder wo bei Pflege und Förderung durch amtliche deutsche Vertreter an Ort und Stelle ein rasches Wiederingangkommen des deutschen Exportes zu erwarten ist.

Die Bemühungen, trotz der völkerrechtlichen ungeklärten Lage Deutschlands amtliche Auslandsvertretungen einzurichten, gehen bis in die ersten Nachkriegsjahre zurück. Es wurde von amtlicher deutscher Seite schon in einer Zeit, in der seitens der Militärregierungen und der JEIA die ersten handelspolitischen Ansätze für die deutsche Wirtschaft geschaffen wurden, immer wieder darauf hingewiesen, daß die Einrichtung amtlicher Wirtschaftsvertretungen eine wesentliche Voraussetzung für eine systematische Ausweitung des deutschen Exportes sei. Dementsprechend erstreckten sich die ersten Planungen auf diesem Gebiet immer nur auf einen wirtschaftlichen Auslandsdienst unter Beiseitelassung aller konsularischen oder gar diplomatischen Funktionen, für die damals keinerlei Ansatzpunkt gegeben war.

Nachdem inzwischen der Bundesrepublik durch das Petersberg-Abkommen vom November von den Alliierten das Recht zur schrittweisen Wiederaufnahme von konsularischen Vertretungen und Handelsbeziehungen mit den Ländern eingeräumt worden ist, mit denen derartige Beziehungen als vorteilhaft erscheinen, ist die Vorbereitung eines amtlichen deutschen Auslandsdienstes in ein neues Stadium getreten. Statt reiner Wirtschaftsvertretungen werden nunmehr Generalkonsulate und Konsulate aufgebaut werden, die sich unter einem verantwortlichen Behördenleiter jeweils in eine Konsulatsabteilung und eine Wirtschaftsabteilung gliedern sollen. Diese Erweiterung der Kompetenzen der neuen deutschen Auslandsvertretungen über das rein Wirtschaftliche hinaus in die Sphäre des Konsularischen hat jedoch die eigentliche Bedeutung der Vertretungen kaum verändert. Nach wie vor stehen die wirtschaftlichen Aufgaben im Vordergrund, Ziel ist, die deutsche Wirtschaft von fremder Hilfe bis 1952 unabhängig zu machen. Das der Bundesrepublik durch das Petersberg-Abkommen zugebilligte Recht, durch diese Vertretungen auch konsularische Funktionen wahrnehmen zu lassen, ist eine erfreuliche Erweiterung der deutschen Kompetenzen – einmal, weil damit den noch oder schon wieder im Ausland lebenden Deutschen, die im allgemeinen Interesse der deutschen Wirtschaft tätig sind, auch ein persönlicher Schutz gewährleistet wird, den sie bisher entbehren mußten, zum zweiten, weil die speziell wirtschaftlichen Funktionen der Auslandsvertretungen von der konsularischen Seite aus wirkungsvoll ergänzt werden können.

Die Aufgaben, vor die sich die neuen deutschen Auslandsvertretungen gestellt sehen, sind in ihrer Zielsetzung wohl einmalig: ein hoch industrialisiertes, früher in stärkstem Maße in die Weltwirtschaft verflochtenes Land, auf intensivsten Außenhandel angewiesen, ist vor die Aufgabe gestellt, nach dem Abreißen sämtlicher Verbindungen seinen amtlichen Wirtschafts- und Außenhandelsförderungsdienst aus einem völligen Vakuum heraus neu aufzubauen. Es wird zunächst darum gehen, die sachlichen Grundlagen der Arbeit, die früher in einem organisch gewachsenen Dienst ohne weiteres gegeben waren, von neuem zu erarbeiten und die personellen Verbindungen, ohne die eine fruchtbare Außenhandelsförderung durch unsere Auslandsbehörden kaum vorstellbar ist, neu zu knüpfen. Dies gilt für den Kontakt mit den amtlichen Kreisen des Auslandes wie für den Kontakt mit der ausländischen Geschäftswelt. Erst dann wird die Routinearbeit beginnen können.

In drei Gruppen kann man die wirtschaftlichen Aufgaben der Konsulate unterteilen: