Einmal hat Hitler, der verrückt nach der Lustigen Witwe war, bei Lehár eine spezielle Prunkfassung dieser Operette für das „Deutsche Opernhaus“, Berlin, bestellt, die nur hier aufgeführt werden sollte. Bei dieser Gelegenheit sah man zum ersten Male das sagenhafte Heimatland der lustigen Witwe, die so reich ist, daß ihr klitzekleines Vaterland – zöge sie ihr Vermögen ab – pleite gehen müßte. Bei dem Prunkfilm, den Ernst Lubitsch vor vielen Jahren in Hollywood gedreht hat und der jetzt im Esplanade-Kino zu Hamburg läuft, sieht man das Heimatland der schönen Hannah zum zweiten Male. Offenbar war, da nun einmal erweitert werden mußte, nur diese Erweiterung möglich; auf der Bühne nämlich spielt die Operette ausschließlich in Paris.

Drei Melodien vor allem hatten es Lubitsch angetan: das „Vilja-Lied“, das Jeanette MacDonald in entsprechendem Negligé auf einem Balkon singt, der – wie die ganze umgebende Landschaft – aus Zucker gemacht scheint; der Walzer, wobei sich großartige Bildkompositionen tanzender Gruppen in Schwarz und Weiß entfalten, und der Schlager vom „Maxim“, jenem Pariser Amüsierlokal, wo Maurice Chevalier – der eleganteste Hahn im Korbe, den man je gesehen – den Sekt in Strömen fließen läßt, Aber weder der Sekt noch die Gunst der schönen, gefälligen Frauen munden uns noch. Einst ließ Dr. Goebbels die deutschen Filmleute ins Propaganda-Ministerium laden und ließ diesen Film vorführen und sagen: Seht, so wies der Lubitsch machte, so macht’s auch! Doch vergeblich. Babelsberg war nicht Hollywood, und obwohl Lubitsch aus Babelsberg kam, ehe er nach Hollywood ging – schon vor 1933 – konnte er’s drüben besser. Dieser längst weltberühmte „Witwe“-Film ist glanzvoll gemacht. Daß jedesmal der Kitsch – kaum, daß er zur vollen Blüte gekommen – durch Ironie überspielt wird, erfreut vielleicht die Ästheten; doch ist’s nur ein Trick. Der Film läßt kalt. Er ist zu spät nach Deutschland gekommen... J. M.