Amerika sucht Sündenböcke. Amerika sucht nach Verantwortlichen für seine außenpolitischen Niederlagen im Kalten Krieg. Hier liegt die Wurzel der Kommunistenpsychose in den USA. Weil das State Department die sowjetische Expansion nicht einzudämmen vermochte, darum finden heute die Behauptungen, das Äußenministerium sei kommunistisch durchsetzt, im ganzen Lande offene Ohren, und darum droht die Kommunisten Jagd das für eine Demokra tic erträgliche Maß zu überschreiten. Der FaS! Tessup jedenfalls Hegt bereits unmittelbar aa jener Grenze, Philip Caryl Jessup ist heute 53. Noch vor einem Jahr kannten mir wenige seinen Namen. Denn der Staatsrechtler von der Columbia. UniPolitiksrn- zu Rate gezogen, wenn die juristische Seite eines Problems zu beleuchten war. Und als .

;er- 1948 den erkrankten USA Delegierten Warren Austin im Sicherheitsrat der UNO vertrat ;da las auch Wy schinski während der Jungfernrede des Neulings gelangweilt eine Zeitung. Er las sie Aicht zu Ende. Alsbald machte er sich eifrig Notizen "Die Sowjetregierung hat die Schwäche ihrer Position bewiesen, indem sie das anwendet, was ich als Heuschreckentaktik bezeichnen mochte", sagte damals Jessup "Jeder Sprung landet auf einem Grashalm, der sich als schwankender Vörwand erweist und einen neuen Sprung auf eine ebenso unstabile Basis nötig macht. Die Diplomaten in Lake Success horchten auf. Wenig später tat es die Welt. Philip C. Jessup katte dea ersten Faden zu jenen Gesprächen geknüpft, die schließlich auf der Pariser Konferenz zur Aufhebung der Berliner Blockade führten. Präsident Truman ernannte den Professor zum Sonderbotschafter. Anfang dieses Jahres unter nahm Jessup in dieser Eigenschaft eine sechswöchige Informationsreise, die ihn von Tokio bis Golomfeo durch vierzehn asiatische Staaten führte Der Mann mit ün Schauspielerkopf und der eleganten Frau, die während seiner Reden strickend unter den Zuhörern zu sitzen pflegt, war über Nacht zum aktivsten Außenpolitiker Amerikas geworden. Er blieb es nicht lange. Der Kommunistenjäger aus Wisconsin, Senator McCarthy, erhob auch gegen ihn- die Beschuldi gung der Kommunistenfreundlichkct, Der Amtimore", so meinte er, eine Marionefe jenes Beamten aus dem State Department also, i? dem McCarthy den Ghefspioa des Kreml in Jen USA entdeckt zu haben glaubt. Mit anderem Worten: Ein Diplomat, der als Vertreter der größten Macht der Erd befugt ist, selbständige außenpolitische. Entscheidungen z treffen, soll n ehts anderes sein als ein untergeordneter Spitzel. Mag dies auch unglaublich klingen, McCarthy behauptet.

:jedenfalls im Fall Jessup, wie in vielen aridere Faj le n, belastendes Material zu besitzen Und fastjede einflußreiche Persönlich keit, aus der Aera :R0osevelts ist ja tatsächlich (mehr odsr weniger mit dem- Odium komirnmisti5ch>r Neigungen- belastet; so war Jessup mindesten bis 1946 Mitglied 4 er russisch amerikanischen Freuodschaftsgesellsdiafc. Der "fliegende Sonderbotschafter des amerikanischen Präsidenten" mußte vor einem Untersuchungsausschuß des Kongresses erscheinen wie einst bei uns die Mitläufer vor einer Entnazifizierungskammer. Und 8selbst die obligaten "Persilscheine" fehlten räche. Aus seiner Tasche zog der Professor zwei Schreiben von General Eisenhower und dem ehemaÜgea Außenminister Marshall, die ihm bestätigten, daß er ein "guter Amerikaner" sei.

Politische Beobachter wbllea wissen, daß sowohl den Angriffen gegen Achesoa als auch gegea Jessup die Abneigung der parlamentarischen Parteipolitiker gegen alle "akademischen" Berufsdiplomaten zugrunde liegt ; Doch, das stimmt nur bedingt. Hätten die beiden "braintrtfstier" Erfolg gehabt, wären die Anschuldigungen aie in diesem Umfang gegen sie erhoben worden, und vor allem hätten, sie bei niemandem verfangen. Allein ihr Mißerfolg ist nun nicht nur die Ursache der "kommunistischen Hexenverföigungen a. Er könnt nur ällzuleicht auch zu ihrer Wirkung werden. Kein Außenminister, der ständig persönlichen Angriffen ausgesetzt ist, kann klar und unabhängig denken. Kein Sonderbotschafter, der nicht das Vertrauen des Kongresses besitzt, kann ein® andere Funktion als die eines Kuriers ausüben. Kein Außenamt, das beschuldigt wird, kommunistisch durchsetzt zu sein, kana die Führung einer antikommunistischen Welt übernehmen. Präsident Truman hat zwar McCarthy und sein Kollegen als "Saboteure und größte, Aktivposten des Kreml" bezeichnet, doch auf die Dauer kann er nia:: gegen das durch sie gesäte Mißtrauen regieren. Aus diesem Grunde wurden in der letzten Woche vier führende Republikaner, aa ihrer Spitze John Foster Dulles in das Stats Risse zu kitten, die tli? Kommunistenpsychos in die überparteiliche Außenpolitik gesprengt hat. Der Antagonismus zweier großer Parteien, der seit Jefferson undHamilton die amerikanische Politik bestimmt, war in der Isolation gesund , doch er ist in der Weltpolitik gefährlich. Es wärs bedauerlich, aber es scheint durchaus möglich, daß Jessup im Wahljahr diesen Erwägungen p opfert wird. Claus Jacoh