Die Gerüchte über Urangewinnung im Ölschiefergebietvon Estland erhalten konkretere Gestalt. „Svenska Dagbladet“ hat von einem geflohenen estnischen Ingenieur erfahren, daß bei Jöjvi und Kohtla-Järve ein Uranbergwerk betrieben wird. Hier sind 3000 in einem isolierten Lager lebende Spezialarbeiter aus Innerrußland beschäftigt. Der Urangehalt des Gesteins wird mit 1/24 bis 1/26 angegeben. Das Gestein wird in plombierten Eisenbahnwagen in Richtung Leningrad abgefahren.

Nun, im Zuge des vierten Fünfjahresplanes, soll die estnische Ölschieferproduktion auf 8 Mill. t gegen 2 Mill. t im Jahre 1939 gesteigert werden. Gleichzeitig soll die Ölgewinnung 1 Mill. t gegen 200 000 t vor dem Krieg erreichen. Es läßt sich hieraus ungefähr errechnen, daß der Auswertungskoeffizient des Ölschiefers sich gegenüber der Vorkriegszeit kaum geändert hat. – Wenn die ausschließlich unter russischer Kontrolle stehende Produktion das Plansoll erreicht, würde der estnische Brennschiefer mit etwa 3 v. H. der gesamtrussischen Rohölproduktion eine nicht unbedeutende Rolle in der sowjetischen Ölwirtschaft spielen. Im Gesamtplan der russischen Brennstoffversorgung für 1950 figuriert Brennschiefer mit 1,8 v. H.

Aus Berichten von Flüchtlingen und ehemaligen Kriegsgefangenen, die im estnischen Ölschiefergebiet beschäftigt waren, läßt sich allerdings errechnen, daß die Schieferförderung 1949 höchstens 3 bis 4 Mill. t erreicht hat. Dies ist offenbar in der Hauptsache auf die Unerfahrenheit der russischen Spezialisten und auf die schlechten Arbeitsbedingungen zurückzuführen. R. A.