Zum Tode Kurt Weills

Während am Broadway sein letztes Werk Lost in the stars über die Bühne ging, starb in einem New Yorker Krankenhaus der Komponist Kurt Weill. In Deutschland (Dessau) geboren, aus Deutschland vertrieben, fand der einst heftig Umstrittene in Amerika seine zweite Heimat, der er auch mit zwei Opern im Volksstil des Landes („Der Feuerbrand“ und „Drunten im Tal“) einen künstlerischen Dankestribut sollte. Seine eigentliche Lebensleistung ist die Befreiung des in der Wagner-Nachfolge versandeten musikalischen Dramas zu einer neuen Opernform von bezwingender Leichtigkeit und Lockerheit der Faktur, im Stil eines modernen Sing- und Liederspiels, in dem der Bänkelsang, die Moritat und der laszive Song Seriosität gewannen. Zugleich wurde durch ihn – in Zusammenarbeit mit Dichtern wie Georg Kaiser und Bert Brecht – die Opernbühne zum Forum einer scharfen Sozialkritik, Ein musikalischer Realist war Weil! indessen nicht. Vielmehr verdankten seine Opern („Der Protagonist“, „Der Zar läßt sich photographieren“, „Dreigroschenoper“, „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonni“ und „Die Bürgschaft“ – daneben die Kantate „Lindbergh-Flug“) ihre Erfolge der leichten allgemeinen Eingängigkeit, der drastischen Knappheit und dem ironischen Sentiment seiner Tonsprache. A–th