Die Hawaii-Inseln, nach Mark Twain „die lieblichste Flotte von Inseln, die je in einem Ozean vor Anker ging“, sollen zu einem Staat der Vereinigten Staaten von Nordamerika erklärt werden. Seit 1920 hat das Territorium. Hawaii vierzehnmal darum gebeten. Die Abstimmung über den fünfzehnten Antrag fand am 8. März statt. Mit 261 gegen 110 Stimmen entschied sich das Repräsentantenhaus für die Aufnahme Hawaiis als 50sten Staates, nachdem es wenige Tage vorher der Aufnahme des Territoriums Alaska als 49ster Staat zugestimmt hatte., Aber es scheint, als werde der Senat die Gesetzesvorlage dilatorisch behandeln. Die 100 000 Einwohner Alaskas und die 500 000 Inselbewohner Hawaiis würden nämlich durch ihre vier Senatoren das gleiche Mitbestimmungsrecht in allen innen- und außenpolitischen Fragen erhalten wie beispielsweise die um mehr als das Zwanzigfache größere Bevölkerung der Staaten New York und Kalifornien. Gerade jetzt, in Zeiten akuter außenpolitischer Spannungen, dürfte der Senat nicht geneigt sein, eine to tiefgreifende Erweiterung der Föderation vorzunehmen.

Ein weiterer Grund für die Opposition des Senats gegen die Erklärung Hawaiis zum Bundesstaat ist die rassische Zusammensetzung seiner Bevölkerung. 35 v. H. sind sogenannte „Kaukasier“, 32 v. H. Japaner, 12 v. H. hawaiisches Halbblut, 6 v. H. Chinesen und 2 v. H. alteingesessene Hawaiier. Der Rest verteilt sich auf Koreaner, Filipinos Puerto-Rico-Leute und andere Rassen. Diese selbst für amerikanische Begriffe reichlich bunte Rassenmischung an der wichtigsten „Straßenkreuzung“ im Pazifischen Ozean hält manchen Senator davon zurück, sich für die Aufnahme Hawaiis als Staat auszusprechen, obwohl in dem erläuternden Bericht der Gesetzesvorlage über die Aufnahme Hawaiis in die Föderation festgestellt wurde, daß es „sicherlich kein Gebiet unter der Jurisdiktion der Vereinigten Staaten gibt, in welchem eine größere Mannigfaltigkeit von Rassen so harmonisch zusammenlebt“.

Diese Harmonie hat freilich im letzten Jahreine erhebliche Trübung erfahren: 159 Tage lang haben die Hafen- und Lagerarbeiter Hawaiis gestreikt und dem blühenden Wirtschaftsleben der Inseln schwere Verluste in Höhe von 100 Millionen Dollar zugefügt. Der völlige Stillstand des Schiffsverkehrs machte die Verschiffung der beiden Hauptexportgüter, Rohzucker und Ananas, unmöglich. Das Ausbleiben aller Importwaren, auf die die Inseln angewiesen sind, brachte einen empfindlichen Warenmangel mit entsprechenden Preissteigerungen. Die Fremdenindustrie kam völlig zum Erliegen. Die Hafenarbeiter von Hawaii, die zusammen mit 20 000 Arbeitern der Zuckerfabriken und 10 000 Arbeitern der Ananas-Industrie in der links gerichteten „Internationalen Hafen- und Lagerarbeiter-Gewerkschaft“ organisiert sind, erhielten ihre Streik-Weisungen aus San Franziska. Gouverneur Steinback berichtete aus Honolulu nach Washington, die Streiks seien offenbar, von kommunistischen Drahtziehern organisiert, und erregte damit im Repräsentantenhaus große Beunruhigung. Das „Komitee gegen unamerikanisches Verhalten“ beschloß sogleich, an Ort und Stelle eine Untersuchung über Art und Umfang der kommunistischen Bewegung auf Hawaii durchzuführen. Ein Zufall fügte es, daß am 10. April, als die Mitglieder des Komitees in dem Senatssaal des Regierungspalastes zu Honolulu die ersten Vernehmungen durchführten, zur gleichenStünde in einem Gerichtssaal in San Franzisko der Mann wegen Meineides zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, von dem die Streikparolen für Hawaii ausgegangen waren Harry Bridges, Präsident der Vereinigung aller Gewerkschaften der Hafen- und Lagerarbeiter an der Westküste. Bridges, der Geburt nach ein Australier, hatte bei seiner amerikanischen Einbürgerung geschworen, niemals Mitglied der KP gewesen zu sein. Die Zeugenaussagen ehemaliger kommunistischer Parteigenossen ergaben jedoch das Gegenteil. Aber damit nicht genug, das erste Ergebnis des Untersuchungskomitees in Honolulu war die Feststellung, daß ein der Rasse nach japanischer Beamter und Abgeordneter der Verfassunggebenden Versammlung von Hawaii gleich einen doppelten Meineid geleistet hatte. Er gab zu, der KP angehört, aber vor kurzem zwei entgegengesetzte eidesstattliche Erklärungen abgegeben zu haben. Sollten die Untersuchungen weitere Beweise für das Vorhandensein einer kommunistischen Bewegung auf den „lieblichen Inseln“ erbringen, dann dürfte es mit der Erhebung Hawaiis zum 50sten Staat noch seine Weile haben und die Fahnenfabrikanten könnten ohne Risiko weiterhin das Sternenbanner ohne den fünfzigsten Stern herstellen Ernst Krüger