Was würde geschehen, wenn der Bundesfinanzminister die Zigarettenpreise durch einen Federstrich um ein Drittel senken würde? Keine Frage: die Freude aller Raucher über die 6 2/3-Pf.-Zigarette – 3 Stück für 20 Pf. – wäre groß, und die Bundesregierung würde im Kurs erheblich steigen. Das wäre ein doppelter Stimmungsgewinn. Aber würde beim Finanzminister, der von jeden 10 Pf. für eine Zigarette 7 Pf. für den Staat einzieht, nicht ein Verlust zu buchen sein? So könnte nur die Bürokratie rechnen. Die Wirklichkeit raucht anders. Von zwei Milliarden Stück im Dezember ist der Konsum unter 1,34 Milliarden im Februar gesunken. Der Finanzminister wird die veranschlagten 1,4 Milliarden DM aus der Zigarettensteuer also nicht bekommen, weil er mit höherem Konsum gerechnet hat.

In Westdeutschland raucht man heute nur 476 Zigaretten je Person und Jahr, in Belgien dagegen 1050, in der Schweiz sogar 1300. Daß wir deswegen nicht tugendsamer sind als andere Völker, zeigt das Saargebiet, wo heute 1200 geraucht werden, weil sie billiger geworden sind. Es liegt also nur am Preis – und nicht an der Tugend. Die 6 2/3-Pf.-Zigarette – davon ist die Zigarettenindustrie überzeugt – wird nicht nur durch Mehrkonsum den Steuerausfall ausgleichen und den Schmuggel aus dem Felde schlagen, sondern zusätzlich 80 000 Arbeitsplätze schaffen. Warum also nicht? C. D.