Deutschlands Fischwirtschaft hat ernste Sorgen,

Und diese Sorgen stammen nicht erst aus der jüngsten Zeit. Sie begannen im Kriege, als die Flotte der deutschen Fischdampfer und Fischkutter dezimiert wurde und sie setzten sich nach dem Kriege fort, als widrige Umstände den Wiederaufbau der Flotte verzögerten, bis schließlich Reedern und Werften das notwendige Kapital fehlte. Den Höhepunkt dürften diese Sorgen aber jetzt erreicht haben. Heute leidet Westdeutschlands Fischerei unter ausgesprochenen Absatznöten.

Ohne Zweifel gibt es eine Fülle von Ursachen, die diese Absatzschwierigkeiten hervorgerufen haben und noch hervorrufen. Ein wichtiger Grund ist die durch die Mangellage der Kriegszeit eingetretene Entfremdung im Zubereiten geschmackvoller Fischgerichte; ein anderer ist die Ablehnung, die dem Seefisch südlich des Mains entgegengebracht wird. Um einmal grundlegend die Werte der Fischwirtschaft vom volkswirtschaftlichen und auch vom ernährungspolitischen Standpunkt darzulegen, kamen führende Männer der Fischwirtschaft auf den Gedanken, in diesem Jahre eine Deutsche Fischereimesse“ abzuhalten. Es wäre verfehlt, diese Veranstaltung in den Sammelbegriff „Messe-Inflation“ einzubeziehen. Dazu ist ihre Bedeutung zu groß und ihre Aufgabe zu umfassend, soll die Messe doch alle Gebiete dieses Wirtschaftszweiges darbieten: Schiffbau, Schiffmaschinen, Fanggeräte, nautische Geräte, See- und Binnenfischerei, Fischgroßhandel, Fischindustrie, Fischmehlindustrie, E’s- und Essigfabriken, Salzwerke, fischindustrielle Hilfsstoffe, Fischverarbeitungsmaschinen, Räucheranlagen, Kisten- und Faßfabrikation, Kühlanlagen, Transportmittel, Fischküchen und nicht zuletzt den wichtigen Zweig der Fischereiwissenschaft und -forschung.

Das Protektorat der Messe hat Bundespräsident Prof. Heuß übernommen. Durchgeführt wird sie vom 20. bis 31. Mai in Bremerhaven, wo zwei große Auktionshallen mit 15 000 qm gedeckter Fläche und 30 000 „in Freigelände zur Verfügung stehen. Dabei taucht allerdings die Frage auf, ob der Sache nicht besser gedient werden könnte, wenn man die Fischereimesse an einem zentralen Platz des Binnenlandes (etwa in Frankfurt) durchführen würde. Im Hinblick auf die Auszeichnung, die dieser Veranstaltung mit der Übernahme des Protektorats durch den Bundespräsidenten gegeben wurde, müßte aber auf jeden Fall die Gewähr bestehen, daß neben Bremerhaven auch die deutschen Seefischmarkt“ Cuxhaven, Hamburg-Altona und Kiel sowie Lübeck mit seiner starken Fischindustrie an der Ausstellung teilnehmen, um so ein geschlossenes Bild der Fischwirtschaft zuvermitteln, ww.